120 BPM

11. März 2018
By Holger Nickel

AIDS-Drama

„120 BPM“ wurde im Wettbewerb von Cannes 2016 uraufgeführt, als Meisterwerk gefeiert und mit drei der wichtigen Preise ausgezeichnet: dem Grand Prix, der Queer Palm und dem FIPRESCI-Preis. Die französische Antwort auf das Werk zum Thema „Angels in America“. ACT UP heißt die Organisation zu Beginn der 1990er Jahre, in der sich Homosexuelle treffen, die meisten davon haben sich mit dem HI-Virus infiziert und hoffen auf die Medizin, dass diese Fortschritte macht und Therapien oder Arzneien anbietet, was im Ausland wohl schon besser funktioniert. Die Gruppe versucht medial auf sich aufmerksam zu machen, nicht immer mit legalen Mitteln. Leider ist der Film nicht synchronisiert, es wird aber gerade zu Beginn sehr viel gesprochen, was mit Untertiteln anstrengend wird.

Inhalt

Paris, Anfang der 90er. Seit fast zehn Jahren wütet Aids in Frankreich, doch noch immer wird über die Epidemie in weiten Teilen der Gesellschaft geschwiegen. Mitterrands Regierung kümmert sich nicht um sexuelle Aufklärung und die Pharma-Lobby verschleppt die Entwicklung neuer Medikamente. ACT UP, eine Aktivistengruppe von Betroffenen, will auf die Missstände aufmerksam machen. Sie schmeißt Kunstblutgefüllte Wasserbomben auf die Wände von Forschungseinrichtungen und kapert bewaffnet mit Informationsbroschüren die Klassenräume der Stadt. Wie weit die Aktionen gehen dürfen, wird bei den wöchentlichen Treffen kontrovers diskutiert. Als der 26-jährige Nathan, der selbst HIV-negativ ist, zu ACT UP stößt, zieht ihn die Entschlossenheit der Gemeinschaft sofort in ihren Bann. Und er verliebt sich in Sean, den Mutigsten und Radikalsten der Gruppe. Zusammen kämpfen sie an vorderster Front, selbst dann noch, als bei Sean die Krankheit schon längst ausgebrochen ist. Bekannteste Darstellerin ist Adèle Haenel, die in ihrer Figur versucht die Handlungen und Aktionen zu organisieren und zu kanalisieren.

Kritik

Ein anspruchsvoller Film über das Thema AIDS und eine Bewegung Anfang der 90er Jahre in Frankreich. Wie geht man mit dem Thema um, wird es gesellschaftlich und medial ausgespart oder können die Aktivisten Stimmung machen, auf ihre Situation aufmerksam machen? Ein Leben am Rand der Gesellschaft, Homosexuelle werden ausgegrenzt und ihr letzter Weg zur Rettung wäre es, wenn Pharma-Konzerne ihnen Hilfe anböten. Sich endlich dem Thema widmen und die Erkrankten nicht im Regen stehenlassen. Junge engagierte Menschen kämpfen für ihre Rechte, so sollte es immer sein, bei allen Themen.

Im Bonusmaterial gibt es ein Booklet, eine Diskussion mit dem Regisseur sowie den Trailer und Filmtipps.

120 BPM: F 2017; Regie: Robin Campillo; Darsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Arnaud Valois, Adèle Haenel, Antoine Reinartz, Aloïse Sauvage; FSK: ab 16 Jahren; Dauer: 138 Minuten; Sprachen: Französisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph); Vertrieb: ©Edition Salzgeber. Veröffentlichung Verkauf: 26. Januar 2018.

Bewertung: 7,6/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 1/4  - Anspruch: 3/4

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