Als Paul über das Meer kam

13. März 2018
By Holger Nickel

Dokumentation / Flüchtlinge

In „Als Paul über das Meer kam – Tagebuch einer Begegnung“ begleitet Regisseur Jakob Preuss den Weg des Kameruners Paul Nkamani von einem improvisierten Flüchtlingscamp in Marokko über die Erstaufnahme für Asylsuchende in Eisenhüttenstadt bis ins elterliche Wohnzimmer des Regisseurs in Berlin. Der Film erzählt eine ganz persönliche Migrationsgeschichte und eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen Regisseur und Protagonist im politisch brisanten Umfeld der europäischen Migrationsdebatte. Schon im Jahr 2011 begann der Regisseur mit den Vorbereitungen, fand schließlich in der Nähe der spanischen Exklave Melilla einen jungen intelligenten Wirtschaftsflüchtling. Einen Mann, der in Kamerun keine Perspektive sah und das Leid seiner Mitmenschen mitansehen musste und der nun nach einer ewigen Reise endlich nach Europa zu kommen hofft.

Inhalt

Paul Nkamani hat sich aus seiner Heimat Kamerun durch die Sahara bis an die Küste Marokkos durchgeschlagen. Hier lernen sich Paul und Filmemacher Jakob Preuss kennen, der entlang Europas Außengrenzen auf Recherchereise ist. Kurz darauf ergattert Paul einen begehrten Platz auf einem Schlauchboot nach Europa, doch die Überfahrt nimmt einen tragischen Ausgang: Die Hälfte seiner Mitreisenden stirbt, Paul überlebt. Der Regisseur sieht die erschütternden Bilder der Rettung im Fernsehen und begibt sich auf die Suche nach Paul. Nachdem Paul bereits zwei Monate in Abschiebehaft verbracht hat, findet Jakob ihn endlich in einem spanischen Rote-Kreuz-Heim wieder. Als Paul aufgrund der Wirtschaftskrise in Spanien beschließt nach Deutschland zu reisen, muss Jakob sich entscheiden: Soll er Paul aktiv bei seinem Streben nach einem besseren Leben unterstützen oder in der Rolle des beobachtenden Filmemachers bleiben? Viereinhalb Jahre nachdem Pauls Odyssee begonnen und er seine Mutter in Kamerun verlassen hat, zieht er zu Jakobs Eltern ins ehemalige Kinderzimmer des Regisseurs. Und doch bleibt seine Zukunft in Deutschland ungewiss. Hat er eine Chance aufgenommen zu werden, ein Bleiberecht zu erhalten?

Kritik

Ein wichtiges Thema, das meist neutral angesprochen wird. Hier versucht ein relativ junger, intelligenter und gebildeter Mann sein Heil in der Europäischen Union. Die Reise kostet Geld, für die Ärmsten wäre es kaum zu machen. Doch ist es nur ein Traum vom besseren Leben, einer Chance in einem Europa, das seinen Wohlstand auch der Ausbeutung Afrikas zu verdanken hat? Paul möchte gerne nach Deutschland, nimmt dafür lange Strapazen in Marokko auf sich. Wären es nur einige wenige, die den Weg in die reiche EU gehen würden, sie würden wohl aufgenommen. Das Traurige sind aber manchmal auch die antiquierten und konservativen Ansichten der Flüchtlinge selbst, was die ZuschauerInnen erstaunen dürfte. Der Film hat das Prädikat besonders wertvoll erhalten.

Im Bonusmaterial gibt es Interviews mit dem Regisseur und der Hauptfigur, die Tour des Films, entfernte Szenen, das Filmgesprüch in Berlin sowie Filmtipps.

Als Paul über das Meer kam: D 2016; Regie: Jakob Preuss; Darsteller: Paul Nkamani, Jakob Preuss; FSK: ab 6 Jahren; Dauer: 97 Minuten; Sprachen: Deutsch / Französisch / Spanisch 5.1; Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Mandarin; Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph); Vertrieb: ©Farbfilm Home Entertainment / Lighthouse Home Entertainment. Veröffentlichung Verkauf: 16. März 2018.

Bewertung: 7,7/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4  - Anspruch: 3/4

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