Geometrie der Inseln

28. Mai 2012
By Frank Mandrella

Geteilte Bühnenbilder sind selten. Geteilt im Sinne von: Inseln, Plattformen, die die einzelnen Räume des Hauses darstellen und zwischen die einzelne Schauspieler und Musiker agieren. Diese Art der Darstellung wird bei den KunstFestSpielen in Herrenhausen am Freitag, 01.06, und Samstag, 02.06, zu sehen und zu erfahren sein.

Es wird gedeckt zum Ersten Teil

Gegen alle Geometrie der gewöhnlichen Bühnen- und Zuschauerraumaufteilung inszeniert der Regisseur Alexander Charim als Premiere das Musiktheater “Geometrie der Liebe”. Das Stück, umrahmt von Streichmusik, hat das Erscheinen eines Fremden zum Gegenstand, der das patriarchalische Regelwerk einer reichen, gutbürgerlichen, in Zwängen festgefahrenen Familie aufbricht und ist Pier Paolo Pasoloinis Parabel-Film “Teorema” von 1968 angelehnt, der mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart und Eno Morricone untermalt wurde. Genauso aufgebrochen ist das konventionelle Bühnenbild, an dem Zuschauer entlang, aber auch davor sitzen. Das Publikum muss aber trotz der Inseln nicht irritiert sein; die spezielle Beleuchtung hebt die Insel, den Raum im Haus, hervor, die gerade im Mittelpunkt der Bespielung steht. So wie z.B. das Jugendzimmer des Sohnes, dass Zeuge von der intimen Begegnung des Filius mit dem Fremden wird. “Teorema” wurde damals vom Vatikan wegen der Zuschaustellung dieses männlichen Aktes verboten. Pasoloini sollte sechs Monate in Gefängnis, er wurde aber freigesprochen.

Der Fremde (rechts) bricht mit den (Tisch-) Konventionen der Familie

Ganz so “skandalös” wirkten die Proben zur Geometrie der Liebe mit dem Solistenensemble Kaleidoskop jedoch nicht. Eine Gruppe von Menschen, die Familie, also Vater, Mutter, Tochter und Sohn, sitzen im dritten Teil im Vordergrund an einem Esstisch, bis sie langsam in den Bühnenhintergrund verschwinden und zu Musik vom italienischen Barock-Komponisten Claudio Monteverdi singen. Im Hintergrund sind zudem Stühle und Bänke zu Installations-Inseln aufgetürmt, die im Audio-Link Ivan Bazak erklärt, der das Bühnenbild für “Geometrie der Liebe” gestaltet hat. Das Publikum darf gespannt sein auf eine andere Art der Inszenierung. Am 31.05 gab es die Generalprobe, bzw. im Kunstfestpiele-Deutsch “Preview” und am 01.06 ist die Uraufführung.

Frank Mandrella führte ein Gespräch mit dem Bühnenbildner Ivan Bazak.

Wann? 01. und 02. Juni 2012, jeweils 20:00 Uhr

Wo? Galerie (Premiere) Herrenhausen

Wieviel? Folgen Sie bitte dem Link

Fotos: (c) Andrea Vogt

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