Christian Bommarius – 1949

1. Dezember 2018
By Holger Nickel

Historiensachbuch

Christian Bommarius großes Panorama der Nachkriegsjahre verstört und ist zugleich ein stilistischer Genuss von dem man nicht mehr loskommt. Das Jahr 1949, das lange deutsche Jahr, wie es im Untertitel heißt. Das Jubiläum ist interessant, es ist viel in diesem Nachkriegsjahr geschehen. In einem besetzten Deutschland, das vor der Spaltung stand. „Nie ist so klug, komisch und kompromisslos über diese Zeit geschrieben worden“, erklärt Prof. Dr. Karina Urbach, Institute for Advanced Study, Princeton. Eine schwierige Zeit für die Deutschen, zwischen Überlebenskampf dank der Trümmerfrauen und ihrem Kampf um Lebensmittel, aufgrund der Besatzungszonen, die uneinheitlich geleitet und bearbeitet wurden. Der Kriegsverlierer als Spielball der Gewinner, was unterschiedlich ausgenutzt worden ist und die Ansätze der wiedergewonnen Selbstbestimmung.

Inhalt

1949 ist das Jahr der doppelten Staatsgründung und des Beginns der zweiten Demokratie auf deutschem Boden. Die ersten Bundestagswahlen bringen Konrad Adenauer ins Kanzleramt, Theodor Heuss wird Bundespräsident, Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik. In der DDR wird Wilhelm Pieck Präsident, Ministerpräsident Otto Grotewohl. Christian Bommarius erzählt so kundig wie kurzweilig die Geschichte des langen Jahres 1949, das bereits 1948 einsetzt, als mit Währungsreform und Auftrag zur Verfassungsbildung die Weichen in Richtung Bundesrepublik gestellt wurden. Und 1948 blockiert auch die Sowjetunion den Zugang zu West-Berlin, eine Blockade, die fast ein Jahr andauert, die abgeschnittene Stadt kann nur durch die Luftbrücke der Alliierten mit dem Lebensnotwendigen versorgt werden.

Bommarius schildert zentrale und marginale Episoden aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Alltagsleben. Sein Buch ist ein buntes Panoptikum der frühen Bundesrepublik – und birgt eine höchst aktuelle Botschaft: Demokratisches Denken und Handeln muss immer wieder gegen Widerstände gelebt werden, damals wie heute.

Kritik

Geschichte spannend und wirkungsvoll für die LeserInnen geschrieben. Was kann uns das Jahr 1949 lehren, was ist damals passiert? Ein wunderbares Geschenk für all jene, die Jahrgang 1949 sind und jetzt ihren 70. Geburtstag feiern. Deutschland muss sich neu finden, nach den Kriegswirren, nach den Verbrechen und dem verlorenen Krieg. Können sie das? Gibt es die Möglichkeit schnell zu Prosperität und geringer Arbeitslosigkeit zu kommen? Zeitzeugen erinnern sich, klug und charmant.

Christian Bommarius, Jahrgang 1958, studierte Germanistik und Rechtswissenschaft. Nach journalistischen Stationen, etwa als Korrespondent beim Bundesverfassungsgericht, war er von 1998 bis 2017 Redakteur der Berliner Zeitung. Seit 2018 ist er Kolumnist der Süddeutschen Zeitung. Für sein publizistisches Werk wurde Bommarius der Heinrich-Mann-Preis verliehen. „1949. Das lange deutsche Jahr“ hat 304 Seiten und ist am 3. September im Droemer Verlag erschienen.

Bewertung: 7,9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: -/4 – Anspruch: 3/4

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