Das unbekannte Mädchen

19. April 2017
By Holger Nickel

Sozialdrama

Die Brüder Dardenne haben es erneut gemacht. Sie haben ein sozialkritisches Drama geschaffen mit „Das unbekannte Mädchen“. Nach Erfolgen wie „Rosetta“, „Der Junge mit dem Fahrrad“ oder „Zwei Tage, eine Nacht“ gibt es nun das nächste Drama, das an Filme des Briten Ken Loach erinnert. Nur fehlt hier häufig der Faktor Leichtigkeit und Humor. Ein Drama um eine tote Farbige, die anscheinend niemand vermisst und um eine Ärztin, die der Meinung ist, Schuld auf sich geladen zu haben. Sie kann nicht ruhen, ehe sie nicht herausgefunden hat was passiert ist. Während die Polizei nur mäßig interessiert ist, möchte die Ärztin die Wahrheit wissen, sie muss sie wissen. Gespielt wird sie von der einzigen wichtigen Darstellerin Adèle Haenel, die schon zuvor in den Filmen „Water Lilies“, „Liebe auf den ersten Schlag“ sowie „Die Blumen von gestern“ brillierte.

Inhalt

Als es eines Abends nach Sprechstundenende an der Praxis-Tür der jungen Ärztin Jenny (Shooting-Star Adèle Haenel) klingelt, öffnet sie nicht, weil sie gerade Stress mit ihrem Praktikanten hatte und einfach mal Ruhe braucht. Ohnehin ist sie nur Vertretung in der Praxis, die ein älterer Kollege wohl aufgeben muss. Sie fühlt sich nicht als Hausärztin. Doch einmal nicht freundlich und zuvorkommend zu sein rächt sich. Am nächsten Tag erfährt sie von der Polizei, dass eine unbekannte, junge Frau tot aufgefunden wurde. Das junge Mädchen, das abends noch an ihre Tür geklopft hatte. Hätte sie geöffnet, wäre das Mädchen vielleicht noch am Leben. Von Schuldgefühlen geplagt, stellt Jenny private Nachforschungen an, um mehr über die Identität der Verstorbenen herauszufinden. Ein kleiner Junge, ein Patient hat sie gesehen, doch ansonsten will niemand mit ihr reden. Sie zeigt das Foto der Betreffenden überall herum und schafft sich damit Feinde, auch die Polizei ist nicht begeistert. Aber Jenny muss weitermachen, sie kauft die Parzelle auf der das Opfer begraben wird, immer in der Hoffnung irgendwann nicht nur die Identität, sondern auch die Todesumstände zu klären.

Kritik

Tragisch ist die Geschichte, stark die schauspielerische Leistung von Adèle Haenel. Eine Geschichte, wie sie leider überall in Europa passieren könnte. So weit wir auch sind, Armut und Desinteresse an den Mitmenschen bleiben weit verbreitet. Dabei trifft hier zunächst niemanden Schuld, schon gar nicht die Ärztin. Sehr erfreulich sind die Extras, das sollten mehrere Filmvertriebe so machen und die Filmvorstellungen der Fernsehsender mit einbauen und den Film von Wissenschaftlern analysieren lassen.

Im Bonusmaterial befinden sich die Kinovorstellungen auf 3Sat und ZDF, eine Erläuterung von Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger sowie der Trailer und Filmtipps.

Das unbekannte Mädchen (O: La fille inconnue): Bel 2016; Regie: Jean-Pierre Dardenne / Luc Dardenne; Darsteller: Adèle Haenel, Olivier Bonnaud, Jérémie Renier; FSK: ab 6 Jahren; Dauer: 103 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Französisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph Widescreen); Vertrieb: ©Lighthouse Home Entertainment. Veröffentlichung Verkauf: 21. April 2017.

Bewertung: 7,7/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 1/4  - Anspruch: 3/4

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