Das weisse Chaos / Als der Osten im Schnee versank

5. Dezember 2018
By Holger Nickel

Dokumentationen

Die Dokumentation des NDR „Das weisse Chaos“ erinnert an die große norddeutsche Schneekatastrophe. Betroffene von damals schildern, wie sie das Chaos erlebt und überlebt und was sie für die Zukunft daraus gelernt haben. Schneeschippen, wie es schon seit Jahren nicht so war. Abgeschlossenen von den nächsten Häusern, der Versorgung, ein heftiger Winter, in dem ich geboren wurde und der meinen Eltern in Erinnerung geblieben ist. Die zweite Dokumentation bezieht sich auf den Osten Deutschlands: „Als der Osten im Schnee versank“. Katastrophenalarm in vielen Teilen Nord- und Ostdeutschlands. Ein Stück deutsche Geschichte, wie die Flut in Hamburg oder Hochwasser in anderen Regionen. Nach den milden Wintern der letzten Jahre ein spannendes Dokument, wie es auch sein kann, oder bald wieder sein könnte?

Inhalt

Das weisse Chaos: Im Dezember 1978 bewegte sich in weiten Teilen Schleswig-Holsteins nichts mehr. Der Straßenverkehr war zusammengebrochen, ganze Eisenbahnzüge mussten buchstäblich aus dem Schnee ausgegraben werden – der Schneenotstand wurde ausgerufen. Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten. Es kam zu gravierenden Versorgungsengpässen.

Einige Wochen später schlug in Niedersachsen das weiße Chaos noch einmal zu. Die Stadt Wilhelmshaven zum Beispiel musste für einige Tage auf dem Luftweg versorgt werden.

Als der Osten im Schnee versank: Am Morgen des 28. Dezember 1978 herrschen in ganz Deutschland ca. 10 Grad über Null. Typisches Weihnachtstauwetter. Am Mittag fallen in Flensburg ein paar Regentropfen, dann Schneeflocken, und am Nachmittag und in der Nacht stürzen die Temperaturen plötzlich um fast 30 Grad Celsius. Die Warm-Kalt-Front schiebt sich bedrohlich vom Norden in den Süden, vom Westen in den Osten, über die innerdeutsche Grenze hinweg. Ein physikalisches Wunder, das für die Betroffenen katastrophale Auswirkungen hat. Die Nordbezirke der DDR versinken binnen weniger Stunden unter einem mehrere Zentimeter dicken Eispanzer – die Folge des gefrierenden Regens. Dann setzt ein 78stündiger Schneesturm ein. Nichts bewegt sich mehr. Friedhofsruhe. Rentner, die vom Feiertagskaffeetrinken nach Hause wollen, warten in den Haltestellenhäuschen am Dorfrand vergeblich auf ihre Busse. – Man wird sie erst im Frühjahr finden, als der einsetzende Tau ihr eisiges Grab freigibt.

Die Insel Rügen ist plötzlich von der Außenwelt abgeschnitten und muss aus der Luft von NVA-Hubschraubern mit Brot und Decken versorgt werden. Die gravierendste Folge des Temperatursturzes aber ist, dass die Energieversorgung der DDR massiv gefährdet ist. Die DDR baut ihre Braunkohle in Tagebauen ab, aber die drohen einer nach dem anderen stillzustehen. Das ‘Neue Deutschland’ dieser Wochen berichtet in ungewohnter Offenheit darüber, dass die Versorgung mit Wärme nicht mehr gewährleistet war. Menschen erfrieren in ihren Wohnungen. In diesem Winter aber spielen sich natürlich auch Szenen großer Hilfsbereitschaft und Solidarität ab. Eine fast vergessene Katastrophe, die anhand vieler anschaulicher Begebenheiten von Betroffenen und Zeitzeugen und reichlich vorhandenem Archivmaterial interessant und emotionalisierend rekonstruiert wird.

Kritik

Sehenswerte Dokumentationen über einen Jahrhundertwinter von dem die Menschen noch heute berichten und klagen, wie es damals war, oder wie schön der Schnee auch sein konnte. Mal sehen, wann es bei uns das nächste Mal schneit. In diesem Jahr sieht es bislang ja nicht danach aus, abgesehen von höheren Lagen im Harz.

Die Extras enthalten ein Fotoalbum vom Winter auf Rügen im Winter 1978/79 sowie Filmtipps.

Das weisse Chaos / Als der Osten im Schnee versank: D 1997 / 2003; Leitung: Marlis Fertmann; Darsteller: -; FSK: Infoprogramm; Dauer: 44 / 50 Minuten; Sprachen: Deutsch 2.0; Untertitel: -; Bild: 1,33:1 (4:3); Vertrieb: ©NDR / MDR / Fastbreak Entertainment. Veröffentlichung Verkauf: 4. Dezember 2018.

Bewertung: 7,7/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: -/4 – Anspruch: 3/4

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