Dein Weg

20. Juni 2012
By Holger Nickel

Selbstfindungsdrama

Pilgern ist in – nach wie vor! Schön, dass der Film endlich den Weg in die deutschen Kinos findet. Fertig gestellt war das Drama von Emilio Estevez schon 2010, lief auf zahlreichen Festivals und kommt jetzt mit dem Prädikat besonders wertvoll daher. Neben „Pilgern auf französisch“ in dem es hauptsächlich um Jugendliche geht, ist dies einer der besten Filme über den Weg nach Santiago de Compostela. Vier Menschen finden sich auf ihrem Weg über die Pyrenäen bis an die spanische Westgrenze und teilen nach und nach Freud und Leid. Ein spirituelles warmherziges Werk. Auf dem Jakobsweg der Trauer davon wandern.

Kinostart: Donnerstag, 21. Juni, Kino im Raschplatzkino

Inhalt

Der Augenarzt Tom Avery (Martin Sheen) führt ein geordnetes Leben, mag seinen Beruf und spielt mit Freunden gerne eine Partie Golf. Vor ein paar Jahren ist seine Frau gestorben, von der Familie bleibt nur der ca. 40-jährige Sohn Daniel (Emilio Estevez) übrig. Doch der will aus dem konventionellen Leben ausbrechen, er gibt seine Doktorarbeit in Anthropologie auf und widmet sich dem richtigen Leben. Er ist auf der Suche, vielleicht nach einer spirituellen Erleuchtung? Dafür hat er entschieden zu Fuß den Jakobsweg zu bewältigen; doch schon am ersten Tag will es das Schicksal, das ein Unwetter sein Ende besiegelt. Sein Vater reist nach Südfrankreich um Daniels Leichnam abzuholen, ein Polizist versucht seine Trauer zu lindern. Kurz entschlossen will Tom zu Ende führen, was seinem Sohn nicht vergönnt war, er macht sich mit dessen Asche auf den Weg nach Compostela. Dort trifft er den freundlichen leicht übergewichtigen Niederländer Joost (Yorick van Wageningen), die Kanadierin Sarah (Deborah Kara Unger) und den Iren Jack (James Nesbitt). Alle haben ihre ganz individuellen Gründen und Hoffnungen für den Weg.

Kritik

Pilgern wir für uns, oder können wir auch für jemanden anderen pilgern? Emilio Estevez hat es geschafft einen ebenso nachdenklichen wie lebensbejahenden Film zu drehen, bei dem die Zuschauer mit einem sehr guten Gefühl aus dem Kino kommen werden. Es ist eine gute Mischung aus Weisheiten, Themen, die zum Nachdenken anregen, Spiritualität und ein wenig religiöser Konstanz geworden. Jeder hat sein Päckchen zu tragen, wie wir damit umgehen ist uns überlassen, und sei es, dass wir zwei Monate wandern gehen möchten, um den Kopf frei zu kriegen, oder was auch immer der Grund sein mag. So ist es bei den Beteiligten. Der Film ist absolut sehenswert, hat das Prädikat verdient und spricht alle Altergruppen an. Der Film ist ab 0 Jahren frei, dauert knapp zwei Stunden und wird gerade Frauen, aber weitem nicht nur begeistern. Schön, dass das Cinemaxx auch Arthouse Filme zeigt, leider nur die Premiere, ab Donnerstag übernimmt das Raschplatzkino. Es sind übrigens 880 Kilometer von Saint-Pied-de-Port auf dem Camino nach Santiago de Compostela.

Bewertung: 9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 1/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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