Der wilde Planet

12. September 2018
By Holger Nickel

Zeichentrick / Parabel

„Der wilde Planet“, hierzulande auch unter dem Alternativtitel „Der phantastische Planet“ bekannt, ist ein surrealistisch-rauschhaftes Zeichentrick-Spektakel, das dank seiner Bildgewalt und seines psychedelischen Jazz-Soundtracks einen hypnotischen Sog entwickelt, dem sich niemand entziehen kann. Dieser phantastische Trip durch eine fremde Welt – zugleich eine politische Parabel von hoher Aktualität – wurde 1973 mit dem Spezialpreis der Jury bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet. Nun erstrahlt das dystopische Wunderwerk von René Laloux und dem Jodorowsky- und Arrabal-Gefährten Roland Topor erstmals in brillanter HD-Qualität. Mit sehr gutem Ton und zwei Farbstrukturen, einer von 2016 und einer ganz neuen. Inhaltlich ist das hier heute noch ganz großes Kino, in der genau der richtigen Länge.

Inhalt

In einer fernen Galaxie haben die riesenhaften blauen Draags eine technologisch und spirituell hoch entwickelte Gesellschaft auf dem Planeten Ygam gegründet. Die versehentlich vom Planeten Terra mitgebrachten vergleichsweise winzigen Menschen, genannt Oms, werden von  den überlegenen, aber desinteressierten Draags geknechtet oder als Spielzeug behandelt. Nach Jahren als „Haustier“ entflieht der Om-Junge Terr dem Draag-Mädchen Tiwa. Einst war seine Mutter kurz nach seiner Geburt verstorben, als die Draags ausprobiert haben, was man mit Menschen machen kann. Ausgestattet mit dem Wissen und der Sprache seiner ehemaligen Herren schließt er sich den wild lebenden Oms in deren Revolte gegen die übermächtigen Draags an. Er hat bei seinem Mädchen alles gelernt, was auch sie lernen durfte. In ihrem verzweifelten Kampf um das Fortbestehen ihrer Rasse kann es nur einen einzigen, aber scheinbar unerreichbaren, Zufluchtsort geben: Der wilde Planet. Menschen gegen Draags, ein ungleicher, aber wohl unabwendbarer Kampf?

Kritik

Das lohnt sich. Der Film ist 45 Jahre alt, sieht aber nach der Bearbeitung aus, wie eine Produktion von heute, oder zumindest fast. Die Geschichte ist gut und wichtig, ein wenig brutal, ein bisschen sexy, der Lerneffekt ist es aber, weswegen man es sich ansehen sollte.

Im Bonusmaterial gibt es vier Kurzfilme (BD & DVD), das Portrait zu „Topors Träume“, einen Essay von Marcus Stiglegger, ein Featurette, ein ausführliches Booklet sowie den Trailer und Filmtipps.

Der wilde Planet (O: La Planète Sauvage): F / Tschechoslowakei 1973; Regie: René Laloux; Darsteller: -; FSK: ab 0 Jahren; Dauer: 72 Minuten; Sprachen: Deutsch LPCM 2.0, Französisch 2.0; Untertitel: Deutsch; Bild: 1,66:1 (16:9 anamorph widescreen); Vertrieb: ©Camera Obscura Filmdistribution / Alive. Veröffentlichung Verkauf: 14. September 2018.

Bewertung: 7,8/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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