Drei Gesichter

1. Juni 2019
By Holger Nickel

Dramödie / Gesellschaftsbild

Nach dem Berlinale-Gewinner „Taxi Teheran“, der die Herzen des Feuilletons im Sturm eroberte, nimmt uns Jafar Panahi in seinem liebevollen Roadmovie „Drei Gesichter“ erneut mit auf eine pointenreiche Fahrt durch seine Heimat, diesmal ĂŒbers Land. Mit Humor und Herzlichkeit gelingt dem iranischen Regisseur ein hoffnungsvolles PlĂ€doyer fĂŒr Freiheit und Menschlichkeit, das aktueller und globaler nicht sein könnte. Ein intelligentes KinovergnĂŒgen, das in Cannes die Palme fĂŒr das Beste Drehbuch gewann. Der Film ist eindeutig besser als „Taxi Teheran“, was allerdings nicht sonderlich schwierig ist, wenn man normale Kriterien an die Filme legt. „Drei Gesichter“ erzĂ€hlt mit großer Leichtigkeit und Humor vom Alltag in seiner Heimat, den Frauen in der iranischen Gesellschaft und den WidersprĂŒchen zwischen Stadt und Land, zwischen Tradition und Moderne.

Inhalt

Die bekannte iranische Schauspielerin Behnaz Jafari erhĂ€lt eine Videobotschaft eines weiblichen Fans, eine ziemlich tragische. Denn in dem Video erhĂ€ngt sich die junge Frau, die auch mal Schauspielerin werden wollte. Wo ist das Video aufgenommen, ist es echt, ist das MĂ€dchen wirklich tot? Gemeinsam mit ihrem Freund, dem Regisseur Jafar Panahi, macht sie sich auf die Suche nach dem MĂ€dchen. Die Reise in den Norden des Landes bringt ĂŒberraschende Begegnungen: Dorfbewohner, die einspurige Bergstraßen mit cleveren Hupecodes passierbar machen; alte Frauen, die in ausgehobenen GrĂ€bern Probe liegen, und potente Zuchtbullen, die den Weg versperren, weil sie nicht mehr können. Im Bergdorf des MĂ€dchens angekommen, versuchen die beiden das Geheimnis um das Video endlich zu lösen. Die Bevölkerung ist zuvorkommend und nett, schließlich erfahren sie, was mit dem MĂ€dchen passiert ist und das löst eine emotionale Welle aus, die gerade Behnaz Jafari nicht kalt lĂ€sst.

Kritik

Es ist sehr erfreulich, dass iranische Filme relativ hĂ€ufig in Deutschland veröffentlicht werden und meist sogar recht populĂ€r sind. „Nadar & Simin“, „Alles ĂŒber Elli“, „The Salesman“ oder „Huhn mit Pflaumen“, alles gute Filme. „Drei Gesichter“ geht so, kann man sich ansehen und etwas ĂŒber die Gesellschaft lernen. Auf Taxifahrten sollte der Regisseur in Zukunft verzichten, ebenfalls auf kurze zufĂ€llige Unterhaltungen mit Menschen am Straßenrand.

Das Bonusmaterial besteht aus dem Trailer und Filmtipps.

Drei Gesichter (O: Se rokh / Three Faces): Iran 2018; Regie: Jafar Panahi; Darsteller: Behnaz Jafari, Jafar Panahi, Marziyeh Rezaei; FSK: ab 12 Jahren; Dauer: 97 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Persisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 1,85:1 (16:9 anamorph widescreen); Vertrieb: ©Weltkino Filmverleih / Universum Film. Veröffentlichung Verkauf: 31. Mai 2019.

Bewertung: 7,5/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 2/4

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