Elisabeth Åsbrink – 1947

8. September 2018
By Holger Nickel

Historienbuch

„1947. Als die Gegenwart begann“ von Elisabeth Åsbrink ist ein Jahr komprimierte Geschichte, ein ereignisreiches Jahr, Aufbruch in die Gegenwart. Das über rund 230 (plus Anhang) spannende und unterhaltsame Seiten ist in Kalenderform geschrieben. Es startet mit einer Bestandsaufnahme der Kriegsschäden und beschränkt sich dabei nicht allein auf Europa. Auch die Probleme neuer Grenzziehungen wie z.B. in Indien und Pakistan oder der Versuch der Klärung der Judenfrage und dem dazugehörenden Staat. Es geht um die Anerkennung des Völkermordes, der Planung der ersten Menschenrechtskommission und des ersten zu verwirklichenden Traumes von einer „Nation Europa“. Auflockerung findet das Buch durch teils kurze Zeitungsmeldungen, etwa über die Liebhaber Simone de Beauvoirs, der ersten Kollektion Christian Diors und den ersten Schritten in das Computer-Zeitalter.

Inhalt

Eleanor Roosevelt plant die erste Menschenrechtskommission. Christian Dior präsentiert seine erste Kollektion. Grace Hopper entwickelt eine Computer-Programmiersprache. Die Schallmauer wird durchbrochen, die CIA gegründet. Simone de Beauvoir verliebt sich unsterblich in Amerika. Großbritannien entlässt sein indisches Kolonialreich in die Unabhängigkeit. Es ist viel passiert in diesem Jahr, das weitreichende Folgen hat und das aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges aufzuerstehen versucht. Überall in der Welt gibt es Veränderungen, die Welt muss wirtschaftlich wieder wachsen, sich verändern, Vertrauen aufbauen. Der Marshall-Plan läuft an, die europäischen Staaten denken intensiv über eine Zusammenarbeit nach, was später in der EGKS (Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl) kumuliert. Deutschland ist in seine Besatzungszonen aufgeteilt. In Indien und Pakistan verändert sich die politische Lage, der Staat Israel ist existent. Viel Stoff auf den gut 230 Seiten.

Kritik

1947 ist ein besonderes Jahr. Überall werden die Uhren neu gestellt. Erinnerung und Vergessen sind neben Nationalismus und Migration die stärksten Antriebskräfte der Menschen. Ebenso wie heute. Die Autorin beschäftigt sich mit den Geschehnissen eines Jahres, das die Welt für immer veränderte. Mit feinem Gespür verknüpft sie Fakten mit individuellen Schicksalen und erweist sich erneut als meisterhafte Erzählerin.

Elisabeth Åsbrink, geboren 1965, ist Journalistin und Autorin. Für ihr Buch „Und im Wiederwald stehen noch immer die Bäume“ wurde sie 2011 mit dem schwedischen August-Preis für das beste Sachbuch ausgezeichnet. Elisabeth Åsbrink lebt in Stockholm. „1947. Als die Gegenwart begann“ wurde von Hedwig M. Binder aus dem Schwedischen übersetzt, hat 256 Seiten und ist am 13. August im btb Verlag erschienen.

Bewertung: 8,5/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 4/4

Comments are closed.

Wir sind, wo du bist

RSS Feed abonnieren
Bei Twitter verfolgen
Auf flickr betrachten

Bitte beachten Sie unsere Datenschutzbestimmungen.