Fetisch Karl Marx

13. Mai 2018
By Holger Nickel

Dokumentation

Karl Marx liegt in London seit 1883 in London begraben. Noch heute ist seine Grabstätte Pilgerort, insbesondere für jüngere Menschen, die von der heutigen Weltordnung enttäuscht sind. Zum 200. Geburtstag des in Trier geborenen Philosophen, Ökonomen und Politologen, den potenziellen Anführer des Proletariats, der deren Gedanken und Ideen bestimmt, ist Karl Marx noch heute präsent und es werden ihm Filme und Dokumentationen gewidmet. Wie jetzt der etwas unglücklich Titel der Dokumentation „Fetisch Karl Marx“ mit dem Zusatzfilm „Marx Reloaded“, der ebenfalls 52 Minuten dauert. Was hat uns Karl Marx hinterlassen, wie hat er gelebt, was hat Friedrich Engels in seinem Leben für eine Rolle gespielt und wie war das Leben des Vordenkers überhaupt? Was bedeuten die Ideen Marx heutzutage, sind sie aktueller denn je? Wenn das Geldvermögen von 99 Prozent bei nur einem Prozent der Bevölkerung liegt, ist etwas faul in der Welt.

Inhalt

Marx kehrt im Jahr 2018 noch einmal auf die Erde zurück. Die Welt, in der er sich bewegt, befindet sich in einem akuten Umbruch. Das digitale Zeitalter führt zu extremen Veränderungen, das schafft diffuse Ängste. Krisen werden als nicht beeinflussbare Naturkatastrophen wahrgenommen und es wächst die Sehnsucht nach einem Retter. Kann man heute und in Zukunft mit Hilfe von Marx unsere komplexe und komplizierte Welt erkennen, gar verändern? Ist es dafür schon zu spät? Oder ist der aktuelle Marx-Hype ein Placebo in unsicherer Zeit? Dem Ritual, das alte Götzenbild von Marx als Führer einer antikapitalistischen Arbeiterbewegung wiederzubeleben, setzt „Fetisch Karl Marx“ das Bild eines radikal kritischen Denkers entgegen, der den Kapitalismus als ein System erkennt, das vor allem menschengemacht ist. Die Rettung liegt nicht in Marx – die Rettung liegt allein in dieser Erkenntnis. Es müssen die richtigen Fragen gestellt werden, alles hinterfragt werden. Und nur der Kapitalismus kann für Umverteilung sorgen. Nach dem Scheitern des Sozialismus in der Sowjetunion, wie wäre es mit einer sozialeren Welt, in der nicht nur der Egoismus und die Unterdrückung vorherrschen?

Kritik

Unbedingt sehenswert, gleich beide Dokumentationen. Zunächst wird die große Wirtschaft und Politik erklärt, später das Leben von Karl Marx und sein wirkliches Schaffen, was daraus gemacht worden ist. Es müsste endlich eine neue Revolution geben, gegen die Macht des Kapitals, gegen den ständigen Drang nach Wachstum, gegen alle Vernunft. Macht die Welt zu einem gerechteren Ort, vielleicht sogar mit den Ideen von Karl Marx.

Die Extras bestehen aus dem Bonusfilm „Marx Reloaded“ sowie Filmtipps.

Fetisch Karl Marx: D 2017; Regie: Torsten Striegnitz, Simone Dobmeier; Darsteller: Slavoj Žižek, Ulrike Herrmann, Gareth Stedman Jones, Gerd Koenen, Andres Veiel und Thomas Pikett; FSK: ab 6 Jahren; Dauer: 52 (2x) Minuten; Sprachen: Deutsch 2.0; Untertitel: Englisch; Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph Widescreen); Vertrieb: ©Neue Visionen / Good Movies. Veröffentlichung Verkauf: 11. Mai 2018.

Bewertung: 7,9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: -/4 – Anspruch: 3/4

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