Das nervt gewaltig

7. Juni 2010
By Nicole Socha

serviceWerbeanrufe, Abofallen – So können Sie sich gegen die Abzocke am Telefon schützen

16 Anrufe in Abwesenheit auf meinem Handy. Selbst der Anrufbeantworter des Festnetztelefons verzeichnet acht eingegangene Anrufe. Bin ich auf der Beliebtheitsskala meiner Freunde und Bekannten urplötzlich in die Höhe geschnellt? Habe ich meinen Geburtstag vergessen? Schon wieder klingelt das Telefon und ich hebe an. „Hallo Frau Socha“, schallt mir eine unbekannte Stimme entgegen, „würden Sie nicht auch gerne auf einen Schlag 1.000 Euro reicher sein?“ Ich zögere. Klar will ich das, was ich nicht will ist ein Abo einer Zeitschrift mit zusätzlicher Gewinnverlosung unter allen Abonnenten. „Nein?“, antworte ich also und weiß schon, nachdem ich dieses kleine Wort ausgesprochen habe, dass das ein Fehler war. Man redet auf mir ein, versucht mir Abo und Gewinnchance schmackhaft zu machen. Nach zehn Minuten lege ich einfach auf, ich mag nicht mehr.

Verträge, die am Telefon geschlossen werden, sind rechtsgültig

Diese Anrufe, mit denen dubiose Firmen auf Kundenfang gehen, sind nicht nur lästig, sondern auch unerlaubt. Wer auf eine der Fragen mit „Ja“ antwortet, hat in den nächsten Tagen oft eine Auftragsbestätigung im Briefkasten. Mit dem unverbindlichen Ja hat man zwei Kisten überteuerten Wein bestellt, vielleicht ein Abo für eine Fernsehzeitschrift geschlossen. Vielen Verbrauchern ist nicht klar, dass Verträge, die am Telefon geschlossen werden, rechtsgültig sind. Viele Anbieter nutzen dieses Unwissen aus und schieben ahnungslosen Menschen ihre Verträge unter. Viele Verbraucher schalten dann auf stur, reagieren nicht auf Zahlungsaufforderungen, die Briefe landen ungeöffnet im Altpapier. Keine gute Idee, denn die meisten dieser Firmen schalten Inkassobüros und Anwälte ein und erhöhen den Druck. Viele Menschen zahlen dann, aus Angst vor weiten Schritten, oder um endlich wieder Ruhe zu haben.

Schützen Sie sich!

Verbraucherschützer fordern eine gesetzliche Regelung, mit der telefonisch abgeschlossene Verträge nur dann gültig sind, wenn sie noch einmal schriftlich bestätig worden sind. Durchsetzen konnten sie sich bisher nicht. Immerhin hat die Regierung eingelenkt und Widerspruchsfristen verlängert. Die unerlaubten Werbeanrufe können mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro geahndet werden, doch ist es meist unmöglich, die entsprechenden Firmen aufzuspüren. Schützen kann sich nur, wer die Tricks der Abzocker kennt.

Die gängigen Tricks der Abzocker

  • Das Gewinnspiel

Eine sehr gängige Masche ist der Gewinnspiel-Trick. Dem Verbraucher wird mitgeteilt, er habe in einem Preisausschreiben gewonnen. Um den Preis in Empfang zu nehmen, brauche man nur noch dringend seine persönlichen Daten, wie Anschrift und Kontoverbindung. Tage später wird dann Geld vom Konto des „Gewinners“ abgebucht.

Schützen Sie sich: Geben Sie keine persönlichen Daten, vor allem nicht Ihre Kontodaten, am Telefon preis.

  • Der Verbraucherschutz

Das Telefon klingelt und eine „Werbeschutzgemeinschaft“, oder auch „Verbraucherschutzzentrale“ bietet einen Schutz vor lästigen Werbeanrufen. Um auf die Sperrliste gesetzt zu werden, müssen Verbraucher lediglich Adresse und Telefonnummer nennen. Den Jahresbeitrag von rund 50 Euro verschweigen die Anrufer meistens. Die angebliche Schutz- oder Sperrliste gibt es nicht, sie dient nur dem Zweck Kunden zu fangen.

Schützen Sie sich: Geben Sie keine Kontodaten an die Anrufer und bestätigen Sie nicht ihre persönlichen Daten.

  • Der Lottotipp

Am Telefon wird eine Erhöhung der Gewinnchancen für Lottospiele angeboten. Wer mit ja antwortet, der wird Mitglied in einer Spielgemeinschaft.

Schützen Sie sich: Hier müssen Sie handeln, in dem sie diesen Vertrag widerrufen. Lassen Sie die Widerrufspflicht nicht verstreichen. (Belehrungen hierzu finden Sie im Kleingedruckten des Vertrages.)

  • Das Internet

Eine Seite bietet Informationen, Klingeltöne oder Rezepte. Um die entsprechenden Seiten aufrufen zu können, werden Name, Adresse und oft auch Kontodaten abgefragt. Mit der Eingabe dieser Daten schließt der Verbraucher ein Abonnement ab.

Schützen Sie sich: Zahlen Sie diese Rechungen nicht und schalten Sie die Verbraucherzentrale ein.

Grundsätzlich gilt: Nutzen Sie Ihr Recht auf Widerspruch und lassen Sie die entsprechenden Fristen nicht verstreichen. Bei Fragen oder Problemen kann ihnen die Verbraucherschutzzentrale helfen. In Hannover erreichen Sie diese unter der folgenden Adresse: Verbraucherzentrale Niedersachsen e.V., www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de, Herrenstraße 14, 30159 Hannover, Telefon 0511-9119645.


				            

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