Im Kino: Illusion

19. Januar 2014
By Holger Nickel

Erotische Philosophie

Das neue Werk von WTP International wird die Zuschauer in den Bann ziehen und Debatten auslösen. Wie immer bei ihren Produktionen wie „Engel mit schmutzigen Flügeln“ oder „Die Wahrheit der Lüge“ und „24/7 Passion of Life“ werden hier Geist und Libido gleichermaßen angesprochen. Die Filme der bayrischen Independentfilmer sind gleichermaßen philosophisch, intellektuell als auch sexuell. „Illusion“ befasst sich mit acht Menschen, die etwas verbinden könnte. Sie treffen sich in einer Bar, in der ein jede/r seine oder ihre meist sexuellen Fantasien durchspielt. Das ist avantgardistisch, heiß oder gar philosophisch, meist aber einfach nur der Lust geschuldet. Am Ende überrascht das Episodenwerk durch eine heikle Auflösung. Zuvor zeigen Antje Nikola Mönning, Marina Anna Eich und Carolina Hoffmann darstellerisch alles.

Kinostart: Donnerstag, 23. Januar, leider nicht in Hannover

Inhalt

Acht Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen in einer Bar aufeinander. Doch zuvor werden sie vorgestellt. Ein Pastor (Wolfgang Seidenberg), der auf fleischliche und philosophische Gelüste steht und seine disziplinierte Frau (Marina Anna Eich), ein Ehepaar mit sexuellen Fantasien, aber wenig Lust, sie ist Psychologin. Eine junge Frau (Carolina Hoffmann), die sich noch finden will, ein junger Mann (Christoph Baumann), der mit Telefonhotlines telefoniert und das Leben mehr beobachtet als lebt sowie ein älteres Ehepaar, er ist arbeitslos und Bayern München Fan, sie seine Gattin. Zudem noch eine Psychologin (Antje Nikola Mönning) und ihr Mann. Diese unterschiedlichen Figuren treffen in einer Bar zusammen, in der zwei Frauen für die Unterhaltung sorgen. Langsam kommen sich die Personen näher, tauschen Bekanntschaften aus, Sehnsüchte und sexuelle Wünsche, wobei das meiste in den Gedanken bleibt. Was erwarten sie noch vom Leben, sind sie glücklich und schließlich am Ende geht es sogar noch um Vergangenheitsbewältigung. Eine Flucht vom Alltag hinein in die Gedankenwelt und zu ihrer ureigenen Lust. Was ist Realität?

Kritik

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei, aber die Liebe ist die Größte unter ihnen“. Der Regisseur selbst sagt über sein Werk: „Ein Film über den Menschen und seine Verstecktheit, Verlogenheit und Alltäglichkeit. Der Film hat drei Ebenen: die Privatebene, die mit sehr ruhiger und stiller Kamera gedreht wurde (bis Min. 15). Sie zeigt den Menschen in seiner Alltäglichkeit. Dann die Kneipe, die für mich eine metaphysische Ebene ist, sie liegt genau dazwischen. Zwischen der Wirklichkeit und der Illusion. Und dann die Illusion, die in den Köpfen der Menschen stattfindet“.

Die erste halbe Stunde ist es kein Film, sondern eher eine Vorstellungsrunde, die in den Dialogen zu statisch gerät. In der Bar wird es deutlich besser. Wir lernen unterschiedliche Figuren kennen und sehen wahrscheinlich in den meisten auch Parallelen, positive wie negative, zu uns selbst. Wir alle haben Träume, Sehnsüchte und Wünsche – doch ist unser Leben selbst nur eine Illusion? Eine Selbsttäuschung, Einbildung oder Hoffnung – und sind die gezeigten Fantasien der Figuren ebensolche?

Ambivalent trifft es bei diesem Film am besten: Er ist in vielen Aspekten fantastisch, vor allem die drei wichtigsten Frauen, ebenso die Musik und die beiden Bardamen, andererseits aber auch Laientheater, das schnell nerven könnte, wie etwa die Figur des Bayern-Fans oder der überflüssige Facebook-Beobachter. Eine Frage noch zum Schluss: Wollen wir selbst einen solchen Barabend erleben?

Der Film dauert 93 Minuten und ist ab 16 Jahren freigegeben und wird von wtp international veröffentlicht. Die Regie hat Roland Reber geführt. Ein Film über Fantasien, Lüste und das Wesen des Menschen, über moderne Medien und alte Werte. Ein Konglomerat aus Gefühlen und der freudschen Idee, dass alles mit Sex zusammenhängt.

Bewertung: 7/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 4/4 – Anspruch: 3/4

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