Jari Järvelä – Rot für Rache

8. Oktober 2017
By Holger Nickel

Thriller / Drama

Trilogien sind momentan In. Nun erscheint die nächste, die aus Finnland zu uns herüberschwappt. Jari Järvelä hat schon mehrere Romane geschrieben, „Weiss für Wut“ mit der jungen Protagonistin Metro, ist der erste, der ins Deutsche übersetzt wird. Im Oktober ist nun „Rot für Rache“ erschienen, der zweite Teil, ein Jahr später wird „Schwarz für Schrecken“ folgen. Die Finnen und ihre Melancholie, aber auch ihre trockene Art Härte und Gewalt zu erzählen. „Weiss für Wut“ ist ein Drama, ein Thriller, in dem es nur falsche Opfer gibt. Das ist gleichzeitig psychologisch interessant wie deprimierend. Ein junges Paar, das liebend gerne Graffitis überall in einer Kleinstadt in Finnland platziert wird irgendwann von Sicherheitsmännern gestoppt. Dabei passiert etwas Schreckliches. Anlass für Rachegedanken, für gegenseitige Schuldzuweisungen und schließlich für sinnlose Gewalt. „Rot für Rache“ fehlt die psychologische Komponente, behält aber die Gewalt und huldigt Banksy.

Inhalt

Ein 19-jähriges Mädchen, das sich Metro nennt, ist leidenschaftliche Street-Art-Künstlerin. Zusammen mit ihrem Freund Rust kundschaftet sie täglich ungewöhnliche Orte aus, um sich dort heimlich mit ihren gesprayten Kunstwerken zu verewigen. Sie liebt Künstler aus anderen Ländern, ob aus Deutschland oder Banksy aus Großbritannien. Ihre Schriftzüge sind Kunst, allerdings nur für sie, nicht für die Bahn, die ständig bemalte Waggons vorfindet. Deshalb werden Sicherheitsfirmen engagiert, die die Täter auf frischer Tat erwischen wollen, ihnen eine körperliche Lektion erteilen und sie für die Schäden bezahlen lassen wollen. Als sie tatsächlich eines Nachts entdeckt werden, stirbt ihr Freund bei einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst. Metro kann fliehen. Ihre Trauer entlädt sich in einem wütenden Racheplan: Sie will dem Mann, der ihren Freund auf dem Gewissen hat, das Leben zur Hölle machen. Mit ihren ganz eigenen Mitteln. Dafür hat sie Freunde, die ihr helfen, den Baron, der ihr den Unfallbericht über den Tod ihres Freundes beschafft. Darin liest sie drei Namen und findet für sich heraus, wer wohl der Schuldige ist, der Rust umgebracht hat. Zunächst wehrt sie sich mit den Mitteln einer Graffiti-Künstlerin. Der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Metro und vom Sicherheitsmann Jere erzählt. Jere ist verheiratet, hat einen Sohn und seine Frau ist schwanger. Bald hat er ein Problem… Ein hoch dramatischer Thriller mit einer ungewöhnlichen Serienheldin, die niemanden kalt lässt.

Rot für Rache: Die junge rebellische Sprayerin Metro ist nach einem dramatischen Zusammenstoß mit dem Sicherheitsdienst aus ihrer finnischen Heimatstadt Kotka über die Ukraine nach Berlin geflohen. Sie lebt mit einigen Freunden illegal auf dem Dachboden eines abbruchreifen Hauses, in dem sich vor vielen Jahren bereits der legendäre Street-Artist Banksy mit einem riesigen Wandbild verewigt hat. Doch weder Metro noch ihre Freunde ahnen, dass es jemanden gibt, der aus reiner Profitgier längst ein Auge auf Banksys Kunstwerk geworfen hat. Jemand, der nicht davor zurückschreckt, für sein spektakuläres Vorhaben auch über Leichen zu gehen… Während sie spektakuläre Aktionen an Zügen planen und umsetzen, ist das Leben von Metros Begleitern in Gefahr und schließlich auch ihres, doch sie weiß sich zur Wehr zu setzen, denkt sich einen Racheplan aus, der schließlich zurück in Finnland umgesetzt werden soll.

Kritik

Ein junges schwarzes Mädchen, das in Finnland aufwächst, bald ohne Vater, mit einer schwierigen Mutter. Im zweiten Roman ist nichts mehr von ihrer Leichtigkeit und Lebensfreude zu spüren, sie ist verbittert, will Rache. Und sie kann sie ausüben, jedoch erst nachdem sie erneut Schmerzen aushalten muss. Das ist schon hart, gerade die Episode in Berlin, bis plötzlich zurück in Finnland die Action und Gewalt überhandnimmt. Ist das jetzt ein Jugendroman oder ergötzen wir uns an der Rache-Gewalt der jungen Sprayer-Protagonistin? Manchmal fehlt dem Roman die Balance.

Jari Järvelä, geboren 1966, arbeitete zunächst als Lehrer, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Inzwischen hat er 14 Romane, zahlreiche Hörspiele und Dramen veröffentlicht und gehört zu den angesehensten Autoren Finnlands. Er erhielt 2007 den Finnischen Staatspreis für Literatur und wurde mehrmals für den Finlandia-Preis nominiert. Mit dem Thriller „Weiß für Wut“ wurde Jari Järvelä erstmals in Deutschland vorgestellt. Es ist der Beginn einer Trilogie mit der Sprayerin Metro als Heldin. Jetzt ist der zweite Roman veröffentlicht. „Rot für Rache“ heißt im Original „Tyttö Ja Rotta“, wurde von Gabriele Schrey-Vasara übersetzt, hat 253 Seiten und ist im carl’s books Verlag am 02. Oktober erschienen.

Bewertung: 7,7/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 3/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 2/4

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