Jens Westerbeck: Boatpeople
Der Roman von Jens Westerbeck „Boatpeople“ ist schon im Jahr 2010 erschienen. Das ist zumindest bei mir leider untergegangen. Dabei ist die Geschichte ein Hit. Jetzt erscheint der Roman als Hörbuch, gelesen von Benjamin Völz, der Synchronstimme von Charlie Sheen. Auf den ersten drei CDs geht es um nichts weniger als das Leben in der High Society als Luxusbootsverkäufer, dem so ziemlich alles gelingt. Doch nicht mehr lange, wie er zu Beginn feststellt. Dabei wird im Prolog vorgeschlagen das Hörbuch nackt anzuhören, so wie andere sich Bücher im Anzug durchlesen aus Respekt. Nackt wäre eine clevere Alternative, wird es dann auch nicht zu eng in der Hose.
Allerdings ist das suboptimal, wenn man sich das Hörbuch im Auto zu Gemüte führen möchte. Wer mit einem Ständer noch die volle Konzentration für den Straßenverkehr aufbringen kann, dem sei es erlaubt, alle anderen sollten andere Orte zum hören suchen. „Boatpeople“ ist angeberisch, extrovertiert, mondän und für die stillosen Neureichen gemacht, um ihre Aktivitäten ad absurdum zu führen.
Nick de a Mooring ist der Protagonist, der Ich-Erzähler, in diesem Werk. Laut Covertext ist er ein Hurensohn, Heimatloser und Hundehasser. Was aber in der ersten Hälfte am stärksten auftritt ist sein Beruf als Bootsverkäufer. Er kann alles, sein Auftritt schlägt alle anderen. Er ist bewundernswert, hat eine fantastische Frau, die er über alles liebt und eine wunderbare Tochter. Beide sieht er leider viel zu selten, denn er lebt während des Jobs, für den er in Europa hin und her fliegen muss auf einem anderen Planeten, ebenso wie seine Familie zur gleichen Zeit. Sie treffen sich nur auf der Erde wieder; dann ist seine Tochter schon wieder gereift, eine Dame im Alter von fünf Jahren. Bei seiner Frau fürchtet er, sie könne Fremdgehen als Ärztin mit einem anderen Oberarzt.
Das wäre schrecklich, doch das Leben von Nick de la Mooring ist von Treue und Wertschätzung des anderen Geschlechts nicht gerade gezeichnet. Er darf alles vögeln, was bei drei nicht auf dem Baum ist. Das gehört einfach zum Beruf dazu. Koksen, rauchen und ficken. So sieht die oberflächliche Welt der Boatpeople aus. Sie verkaufen maximal fünf Schiffe pro Jahr, mit einem Wert allerdings von ca. zwei Millionen Euro. Nick kann sich seine Welt schön reden und sich selbst von seinen Lügen überzeugen. Er hat in der Vergangenheit jemanden auf dem Gewissen. Doch Moral und Nachdenklichkeit sind schlecht fürs Geschäft. Während der Bootsmesse in Cannes lebt er sein Leben weiter, Frauen, die ohne Slip und breitbeinig ihm gegenüber sitzen, eine lesbische Mitbewohnerin, die ihm unbedingt an die Geschlechtsteile möchte, sowie eine junge Frau, die es ihm angetan hat. Die allerdings mehr über ihn weiß, als ihm lieb sein kann, und seine Parma Konnexion. Ist er ein Sexist, und die Geschichte Frauen verachtend? Zumindest ist sie sehr hören- und lesenswert. Was für ein Leben, wollen wir nicht alle so sein wie Nick de la Mooring? Sony Music Spaßgesellschaft hat das Hörbuch gerade erst herausgebracht am 11. Mai. Es lohnt sich!


