Johannes Anyuru – Ein Sturm wehte vom Paradiese her

7. Januar 2018
By Holger Nickel

Politisch-historischer Roman

Die 1970er Jahre in Ostafrika, wer weiss schon genau Bescheid über Idi Amin als Diktator in Uganda, kennt die politischen Gegner der Zeit, weiß wie es in den Nachbarstaaten Tansania, Kenia oder dem Kongo (Zaire) ausgesehen hat? Johannes Anyuru zeigt in seinem politisch-historischen Roman „Ein Sturm wehte vom Paradiese her“ die zeigt die Welt Ugandas, nach der Machtübernahme von Idi Amin, klärt über die unterschiedlichen Ethnien auf und lässt einen Kampfpiloten in Gefangenschaft über sein Leben sinnieren. Der Roman ist für die Shortlist des Internationalem Literaturpreises vorgeschlagen worden. Der tragische Held sitzt in einem Flüchtlingslager fest, ist eigentlich ein Gefangener. Kurz entschlossen ist er nach Afrika zurückgekehrt, wäre er doch nur in Europa geblieben. Für Politik interessiert er sich angeblich kaum, mochte beide Machthaber, die er kennengelernt hat nicht. Eine tragische Geschichte beginnt und endet mit einer Flucht.

Inhalt

Ein junger Mann wird in einem unterirdischen Raum irgendwo in Ostafrika vernommen. Noch vor kurzem sollte er Kampfpilot in der ugandischen Luftwaffe werden. Er studierte an der entsprechenden Akademie in Athen, er marschierte in einer weißen Uniform, er entfernte sich von einer Kindheit voller Gewalt und war auf dem Weg in eine Zukunft in den Wolken. Doch dann, wenige Monate vor seinem Examen, kommt es in Uganda zum Staatsstreich. Idi Amin ergreift die Macht. Sein Regime wird zu einem der blutigsten des afrikanischen Kontinents werden. Und genau in diesem Moment trifft der junge Mann eine folgenschwere Entscheidung: Er wird nicht zurückkehren ins mörderische Uganda, obwohl es ihm befohlen wird. Aber er kehrt nach Afrika zurück und wird dort festgenommen. Bald schon muss er als Flüchtling leben, als Gefangener in den Nachbarstaaten. Womöglich soll er gezwungen werden am Krieg gegen sein Vaterland, gegen Idi Amin anzutreten. Doch was will er überhaupt? Zurück in den sicheren Hafen, nach Athen und Rom, nach Schweden? Ein Leben voller Entbehrungen und Unsicherheit beginnt, während in Uganda Idi Amin seine Macht ab 1971 mit voller Gewalt ausübt.

Kritik

Sprachlich lesenswert und anspruchsvoll, inhaltlich nicht immer ganz einfach, weil nicht linear erzählt, zumindest nicht dauerhaft. Die Zeit in der Gefangenschaft, als Flüchtling wird eindringlich beschrieben, gerade da hat der Roman seine Stärken. Noch ein bisschen mehr große Politik im Roman wäre wünschenswert gewesen.

Johannes Anyuru, geboren 1979, gilt als einer der wichtigsten jüngeren Autoren Schwedens. Er debütierte 2003 mit einer viel beachteten und hoch gerühmten Gedichtsammlung (Det är bara gudarna som är nya/Nur die Götter sind neu). Für “Ein Sturm wehte vom Paradiese her”, eine autobiografisch geprägte Annäherung an das Schicksal seines Vaters, bekam er zahlreiche Preise verliehen. Der Roman wurde für den wichtigsten Literaturpreis des Landes, den Augustpreis, nominiert sowie für den Preis des Nordischen Rates. Ausgezeichnet wurde er mit den Literaturpreisen von Svenska Dagbladet und Aftonbladet, er stand auf Platz 1 der Kritikerliste von Dagens Nyheter und ist in sieben Sprachen übersetzt. „Ein Sturm wehte vom Paradiese her“ heißt im Original „En storm kom från paradiset“, wurde von Paul Berf übersetzt, hat 285 Seiten und ist am 11. September im btb Verlag erschienen.

Bewertung: 7,7/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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