Jordi Llobregat – Die Anatomie des Teufels

11. Mai 2017
By Holger Nickel

Historien-Thriller

Ein Historien-Thriller über eine seit Jahren sehr beliebte Zeit. Das späte 19. Jahrhundert mit der flächendeckenden Einführung der Elektrizität ist das eine Thema, das andere die Fortschritte in der Medizin. Insbesondere Serien haben die beiden Themen für sich entdeckt, nun hat Jordi Llobregat mit „Die Anatomie des Teufels“ einen äußerst spannenden und belebenden Thriller geschrieben, der gleichzeitig das Blut in den Adern gefrieren lässt, wie auch einen Adrenalin-Ausstoß freisetzt. Ein junger Oxford-Professor muss zurück in die Heimatstadt Barcelona. Die Stadt ist in Aufruhr, weniger ob der vielen Morde an leichten jungen Frauen, als vielmehr ob der in Kürze beginnenden Weltausstellung. Für Daniel Amat ist es eine betrübliche Rückkehr. Grund ist der Tod seines Vaters und ein schreckliches Ereignis vor sieben Jahren, das seine Zukunft veränderte. Nun wird er mit zwei Begleitern die Auswüchse der Medizin kennenlernen und einen Mörder jagen, oder ist es umgekehrt – macht eine dunkle Sagengestalt Jagd auf sie…

Inhalt

Barcelona, im Mai 1888: Die Eröffnung der großen Weltausstellung steht kurz bevor, als grausam zugerichtete Frauenleichen in den dunklen Gassen der Stadt gefunden werden. Während die Angst vor einem Serienmörder umgeht, kehrt der junge Oxford-Professor Daniel Amat in seine Heimatstadt zurück, da er vom Tod seines Vaters erfahren hat. Am Grab trifft er den Journalisten Bernat Fleixa, der ihn davon zu überzeugen versucht, dass der alte Amat keines natürlichen Todes gestorben ist. Er spricht von einem rätselhaften Tagebuch des Vaters, das Hinweise auf ein verschollenes anatomisches Manuskript enthalten soll. Zusammen mit Fleixa folgt Daniel den Spuren des Toten und muss mit Erschrecken feststellen, dass die mysteriösen Anatomie-Studien eng mit den grausamen Frauenmorden zusammenhängen. In „Die Anatomie des Teufels“ entfalten sich Geheimnisse, Lügen und verbotene Leidenschaften vor der Kulisse des turbulenten und fesselnden Barcelonas des 19. Jahrhunderts, in dem nichts so ist wie es scheint und in dem niemand vor seiner Vergangenheit sicher ist.

War sein Vater einem Serienmörder auf der Spur und musste deshalb sterben? Im Tagebuch des Toten liest Daniel vom legendären Manuskript namens De Humani Corporis Fabrica eines gewissen Andreas Vesalius aus dem 16. Jahrhundert – ein Text, der von einer seltsamen Maschine erzählt, die unglaublich viel Energie benötigt. Welchen Zweck die Maschine erfüllte, können auch Fleixa und Pau Gilbert, Medizinstudent und letzter Assistent von Daniels Vater, nicht beantworten. Das Trio ist aber überzeugt, dass dieses Manuskript den Weg zum Mörder weist, der Barcelona in Angst und Schrecken versetzt. Ein geisteskranker Serientäter, der die Körper seiner ausnehmend weiblichen Opfer entstellt und durch tierähnliche Bisspuren rituell verstümmelt. Die drei Ermittler befinden sich allerdings in Gefahr, ständig werden sie gebeten die Untersuchungen zu unterlassen, selbst Daniels frühere Freundin Irene versucht ihn zu beschützen, gegenüber ihrem Ehemann.

Kritik

Ein perfekt synchronisierter Roman. Hier passt ein Rad ins nächste. Insgesamt sind die Themen nicht gerade neu, aber dafür unglaublich spannend, mysteriös und hart beschrieben. Kein Roman für Zartbesaitete. Aber für Menschen die die Symbiose auf historischen und medizinischem Roman lieben. Die Protagonisten könnten kaum unterschiedlicher sein, jede hat seine Besonderheit, sogar die Nebendarsteller sind hervorragend charakterisiert. Die 600 Seiten lesen superfix weg. Ein Feuerwerk an Action, stark zusammengefasst.

Jordi Llobregat interessiert sich leidenschaftlich für Geschichte, im Besonderen für die Entwicklung von Städten. Neben dem Schreiben arbeitet er in einer Firma, die sich mit Stadtentwicklung befasst. Außerdem ist er der Direktor des Noir-Fiction-Festivals Valencia Negra. Er hat bereits mehrere Kurzgeschichten veröffentlicht und ist Mitglied der Autorengruppe El Cuaderno Rojo. Llobregat lebt in Valencia, hatte aber zu Barcelona schon immer eine enge Verbindung, da seine Familie mütterlicherseits dort ihre Wurzeln hat. »Die Anatomie des Teufels« ist sein erster Roman. „Die Anatomie des Teufels“ heißt im Original „El Secreto de Vesalio“, wurde von Stefanie Karg übersetzt, hat 608 Seiten und ist am 25. April im Blanvalet Verlag erschienen.

Bewertung: 8,6/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 3/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 2/4 – Anspruch: 3/4

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