Lieber leben

19. Juni 2018
By Holger Nickel

Tragikomödie / Drama

Ein hartes und trauriges Thema, ziemlich genial umgesetzt. „Lieber leben“ ist eine Ode an das Leben, selbst wenn es nicht immer positiv verläuft. Junge Männer und Frauen, am Beginn ihres Erwachsenenlebens, müssen durch Unfälle einen Rückschlag erleiden, von dem sich die meisten nicht mehr erholen können. Querschnittslähmung, ein Leben lang an den Rollstuhl gefesselt zu sein, möglicherweise ohne fremde Hilfe nichts mehr schaffen zu können. Da denken sich einige lieber gleich sterben. Doch ist das eine Lösung? Wie kann das Leben als Behinderter aussehen? Die Protagonisten werden zu Freunden wider Willen, nehmen Ironie und Sarkasmus, um es erträglicher zu gestalten. Aber gerade der Protagonist hat bald eine Prognose, eine Diagnose, die Hoffnung gibt. Er kann zwar kein Hochleistungssportler mehr werden, aber zumindest seine Selbstständigkeit zurückgewinnen, durch harte Arbeit, die mit vielen Schmerzen verbunden sein wird.

Inhalt

Benjamin (Pablo Pauly) hat haufenweise Pläne und einen großen Sinn für Humor. Auch Farid (Soufiane Guerrab) hatte einiges vor, bevor er vor Jahren durch einen Unfall im Rollstuhl landete. Die beiden treffen sich in einem Reha-Zentrum, in das auch Benjamin verlegt wird, nachdem er sich einen Halswirbel gebrochen hat. Er wird lebenslang behindert sein, heißt es. Ob telefonieren, pinkeln oder essen – nichts geht bei Benjamin mehr ohne die Hilfe von der ungeschickten Schwester Christiane und von dem immer viel zu gut gelaunten Pfleger Jean-Marie. Trotzdem gibt Benjamin nicht auf, er reißt einen Witz nach dem nächsten über die bedeutungslustige Reha-Psychologin und die unzumutbaren Stützstrümpfe. Benjamin trifft auch auf Toussaint und Steeve, ebenfalls Patienten, die die große Kunst gelernt haben, das Unglück einfach auszulachen. Und dann ist da noch die bildhübsche Samia (Nailia Harzoune), in die Benjamin sich auf den ersten Blick verliebt. Eine Gruppe voller Knallköpfe und Kämpfer – versehrte Helden, die gemeinsam die Verzweiflung aus dem Weg räumen und jeden Millimeter Bewegung feiern.

Kritik

Was für eine Vorstellung, praktisch nichts mehr selbst machen zu können. Wenn nur der Kopf funktioniert, alles andere nicht. Doch die Jungs und Mädels im Film nehmen es mit ein bisschen Humor, versuchen „das Beste“ daraus zu machen. Es ist schon ein Fortschritt, wenn sie mit einer Spezialgabel selbst essen können. Doch wie geht es weiter? Andererseits scheint das Leben hier im zwischenmenschlichen Bereich nicht anders zu sein als außerhalb des Reha-Zentrums; irgendwie beruhigend.

Im Bonusmaterial gibt es das Making of sowie den Trailer und Filmtipps.

Lieber leben (O: Patients): F 2016; Regie: Grand Corps Malade, Mehdi Idir; Darsteller: Pablo Pauly, Soufiane Guerrab, Moussa Mansaly, Nailia Harzoune, Franck Falise, Yannick Renier; FSK: ab 16 Jahren; Dauer: 107 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Französisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph widescreen); Vertrieb: ©Neue Visionen / Good Movies. Veröffentlichung Verkauf: 22. Juni 2018.

Bewertung: 7,8/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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