Matteo Righetto – Die Seele des Monte Pavione

15. Mai 2019
By Holger Nickel

Drama

Ähnlich wie in seinem Erstlingswerk „Das Fell des Bären“ beschreibt Matteo Righetto jeden Schritt in seinen Romanen sehr detailliert. So meint man zunächst bei dem vorliegenden Werk „Die Seele des Monte Pavione“ ein Sachbuch über den Anbau und die Verarbeitung von Tabak vor sich zu haben, in dem jeder Schritt vom Anbau bis zur Verarbeitung bis ins kleinste Detail beschrieben ist. Aber, und das ist das Überraschende, nicht in sich aneinanderreihenden Fakten, sondern fesselnd und interessant. Matteo Righettos Roman gibt auch tiefen Einblick in das karge Leben in den italienischen Alpen zum Ausgang des 19. Jahrhunderts, über Entbehrung, Mühen, Verschlossenheit und Freundschaft. Es ist gleichzeitig ein Lehrstück über Mitgefühl und Barmherzigkeit. Die kleine Geschichte, um die es in diesem Buch geht, ist interessant und spannend erzählt.

Inhalt

In dem italienischen Bergdorf Nevada kann Augusto de Boer seine Familie vom Tabakanbau allein nicht ernähren. Daher versteckt er im Sommer ein paar Tabakblätter vor den Kontrolleuren und zieht im Spätherbst über die stark bewachte Grenze nach Österreich, um dort den hochwertigen Tabak zu tauschen und Lebensmittel zu beschaffen. Eines Tages – es ist das Jahr 1893 – entscheidet er sich, seine älteste Tochter, Jole, mitzunehmen. Sie besteht das Abenteuer an seiner Seite.

Drei Jahre später muss sie allein zum Schmuggeln aufbrechen, denn Augusto ist nach einem neuerlichen Aufbruch nach Österreich spurlos verschwunden, und die Familie droht zu verhungern. Auf ihrem Ritt über die Dolomiten muss Jole nicht nur mit bewaffneten Grenzwachen und durchtriebenen Schmugglern fertig werden, sondern auch sonderbare Gerüchte über ihren Vater vernehmen. Anfangs nimmt sie diese nicht ernst, doch die Saat der Zweifels scheint langsam aufzugehen. Gerade gegen Ende nimmt der Roman noch unvorhersehbare Wendungen.

Kritik

Zum Ende des Romans wird für die LeserInnen ein Horrorszenario nach dem anderen heraufbeschworen, was nicht notwendig gewesen wäre, da allein die Erzählung mit ihren Rückblicken unterhaltsam genug ist. Nicht ganz so gut, wie „Das Fell des Bären“, aber ein lesenswerter Roman, der den Horizont erweitern dürfte.

Matteo Righetto, wurde 1972 geboren und lebt in Padua. Er ist Dozent für Literatur. „Das Fell des Bären“ (Originaltitel: “La pelle dell’orse”, 2013) ist sein erster Roman, dem in Italien bereits zwei weitere folgten und der sogar schon verfilmt worden ist. Nun folgt der zweite erfolgreiche Roman. „Die Seele des Monte Pavione“ heißt im Original „L’anima della frontiera“, wurde von Bruno Genzler übersetzt, hat 240 Seiten und ist am 22. April im Blessing Verlag erschienen.

Bewertung: 8,2/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 3/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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