Neue Filme: In guten Händen / Perfect Sense
Perfect Sense
Zukunftsdrama
Ein Science-Fiction-Drama das neue Wege geht. Wann haben Sie das letzte Mal einen Film gesehen, der minutenlang völlig lautlos gewesen ist? Eine Epidemie erfasst die Erde, alle Länder, den ganzen Erdball. Die Menschen verlieren nach und nach ihre Sinne. Mit dem Geruchs- und Geschmackssinn fängt es an und es breitet sich aus. Niemand scheint immun zu sein. Die Welt verändert sich. Prioritäten verlagern sich, die Menschen verlieren ihre Gesellschaftsordnung. Ein Paar findet zusammen, kurz vor der Katastrophe und versucht in Wirren und Ängsten der Menschen einen Halt zu finden, die Liebe. Aus dem Off erzählt der Film wunderbare elementare Weisheiten.
Inhalt
Susan (Eva Green) ist Epidemiologin und gerade wieder Single. Sie wird von einem Freund zu einem Fall hinzugezogen, bei dem sich eigenartige Symptome äußern. Er kann weder riechen noch schmecken. Eine mögliche Epidemie. Ähnliche Fälle gibt es in ganz Europa. Zur gleichen Zeit genießt der Koch Michael (Ewan McGregor) das Leben in vollen Zügen. Zufallsbekanntschaften und One-Night-Stands inklusive, nur einschlafen kann er nur allein. Sein Restaurant befindet sich gegenüber der Wohnung von Susan. Die beiden lernen sich kennen, als er sie um eine Zigarette anschnorrt. Die Epidemie breitet sich aus. Auf der ganzen Welt nehmen die Zahlen der Menschen zu, die ihren Geruchssinn verlieren und ihren Geschmackssinn. Eine schlechte Voraussetzung für Restaurantbesitzer. Wie viele Sinne haben wir? Was, wenn wir nach und nach jeden dieser Sinne verlieren. Das geschieht in diesem Drama. Der Hörsinn ist der nächste, der der Menschheit abhanden kommt. Ein Dilemma, die Welt ist längst in Chaos ausgebrochen. Die vorherige Ordnung zählt nicht mehr. Angst und Gewalt breiten sich aus. Manche bereiten sich schon auf das Schlimmste vor, den Verlust der Sehkraft.
Kritik
Wundervolles Filmereignis, das die Bedeutung der Sinne betont. Wie können die Menschen weiterleben, wenn sie den Geruchs- und Geschmackssinn verlieren. Welche Bedeutung hat dann noch die Nahrungszufuhr? „Fett und Mehl“ würden zum Überleben reichen. Doch Restaurants bleiben bestehen, allein aus traditionellen Gründen, die Menschen versuchen sich am ihrem früheren Leben entlang zu angeln. Verlieren wir noch mehr Sinne wird es schwierig. Eva Green und Ewan McGregor spielen fantastisch in diesem zum Nachdenken anregenden Drama und der Hommage an das Leben, in welcher Form auch immer. Kann die Liebe alles überwinden? Eine poetische Antwort auf das Leben.
Die Extras bestehen aus einer kurzen Erklärung zum Film und der Lovestory in ihr, Interviews mit Cast und Crew sowie dem Trailer und weiteren Filmvorschauen.
Perfect Sense: UK 2011; Regisseur: David Mackenzie; Darsteller: Eva Green, Ewan McGregor, Ewen Bremner, Connie Nielsen, Stephen Dillane; FSK: ab 12 Jahren; Dauer: 91 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Englisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph); Vertrieb: ©Senator Home Entertainment / Universum Film. Veröffentlichung Verkauf: 18. Mai 2012.
Bewertung: 8/10 Punkten
Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: 2/4 – Anspruch: 3/4
Wintertochter
Drama
Der beste Deutsche Kinderfilm des Jahres mit dem Prädikat besonders wertvoll. Gleich zweimal ein großes Lob für einen kleinen aber feinen Film. Ein zwölf-jähriges Mädchen erfährt, dass ihr Vater gar nicht der leibliche Vater ist. Der richtige arbeitet auf einem Containerschiff und liegt gerade vor Stettin, nur zwei Stunden Autofahrt von ihr entfernt im Hafen. Kattaka will mit einer Freundin, der 75-jährigen Nachbarin Lene und Knäcke dort hin, um ihn zu sehen. Ein Selbstfindungstrip für das Kattaka und für die Lene eine Reise in die Vergangenheit und die Chance mit ihr abzuschließen. Kattakas Eltern machen sich Sorgen, ihre Mutter erwartet ein zweites Kind.
Inhalt
Katharina (Nina Monka), kurz Kattaka genannt, ist ein fröhliches zwölf-jähriges Mädchen, dass in einer Wohnsiedlung zusammen mit ihren Eltern lebt. Sie ist mit Knäcke (Leon Seidel) befreundet, ein gleichalter Nachbarsjunge. Es ist kurz vor nach Weihnachten und ihre Mutter erwartet ihr zweites Kind. Ihre Eltern lieben sie und kümmern sich um sie. Bis sie ein Telefonanruf erreicht und Kattaka mit einem Russen spricht, der einigen Aufruhr verursacht. Ihre Mutter entscheidet, ihrer Tochter endlich die Wahrheit zu sagen, dieser Anrufer ist der leibliche Vater, ihren jetzigen Vater hat ihre Mutter erst danach kennen gelernt. Wutentbrannt verschließt sich Kattaka in ihrem Zimmer, will nichts mehr mit ihren Eltern zu tun haben. Von Knäcke erfährt sie, dass ihr Erzeuger gar nicht weit von ihr weg ist. Sie hat den Wunsch ihn zu sehen. Sie überredet ihre 75-jährige Nachbarin Lene (Ursula Werner) sie in deren alten VW-Bus nach Polen zu bringen. Auch für Ursula ist dies eine Reise in die Vergangenheit. Ihre Kindheit hat sie dort verbracht. So gehen beide auf die Suche, um in ihrem Leben eine Lücke zu füllen, mit einem Thema abzuschließen. Dabei lernen sie neue Bekannte kennen und das verschneite Polen.
Kritik
Sehr gute darstellerische Leistungen sowohl von den Kindern, als auch von deren Eltern und der Nachbarin. Die Themenvielfalt zwischen „Wer bin ich und wo komme ich her“, bis zur Vergangenheitsbewältigung berühren die Menschen häufig. Deutsch-polnische Filme gibt es durchaus vermehrt in jüngster Zeit. Zur kommenden Europameisterschaft auch eine Möglichkeit, in anderer Form über unseren Nachbarn zu sprechen. Der Film ist ehrlich, sympathisch und echt. Gerade Kattaka ist eine sehr glaubwürdige Figur und hat in Nina Monka eine gute Schauspielerin.
In den Extras befinden sich ein Kurzfilm, das Making of sowie Filmvorschauen.
Wintertochter: D 2011; Regisseur: Johannes Schmid; Darsteller: Nina Monka, Ursula Werner, Leon Seidel, Dominik Nowak, Maxim Mehmet, Katharina M. Schubert; FSK: ab 0 Jahren; Dauer: 90 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1; Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch; Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph); Vertrieb: ©Zorro Medien / Good Movies. Veröffentlichung Verkauf: 01. Juni 2012.
Bewertung: 7/10 Punkten
Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 2/4
Bezaubernde Lügen
Romantische Komödie
Was ein Liebesbrief doch alles anrichten kann!? Zauberhaft leichte Sommerkomödie mit Audrey Tautou. Friseursalons haben in französischen Filmen immer Saison. Ein Kaleidoskop unterschiedlichster Menschen und insbesondere Mitarbeiter. Die beiden Besitzerinnen, eine sehr schüchterne Angestellte, die auch für Massagen und den Saunabereich zuständig ist sowie ein Mann für alle Fälle. Ein sehr günstiger aber verlässlicher Elektriker und was sonst noch so anfällt. Tautou als seine Chefin hat es ihm angetan, wo er sich doch gerade von Leben etwas zurückziehen wollte. Nicht zu vergessen, da ist noch die Mutter der Chefin, die ihrem Mann seit fünf Jahren nachtrauert.
Inhalt
Émilie (Andrey Tautou) hat einen tollen Friseur- und Beautysalon in einer Stadt am Meer. Es ist Sommer, alle versuchen die Leichtigkeit zu genießen, kaum jemanden gelingt es. Émilie gibt ihren Kundinnen gerne Tipps, was sie aus sich machen könnten, und schneidet schon mal ungefragt den Pony ab. Alles läuft soweit gut für sie. Nur ihre Mutter macht ihr Sorgen. Maddy (Natalie Baye) wurde vor fünf Jahren von ihrem Mann, einem Künstler, verlassen und trauert ihm weiter nach. Ihm ist etwas Jüngeres zugestoßen, bald auch mit Anhang, da wäre eine Hochzeit wünschenswert. Dafür braucht er allerdings erst die Scheidung von Maddy. Kein leichtes Unterfangen ihr das schonend beizubringen, deshalb möchte Émilie es auch selbst übernehmen. Die bekommt allerdings bald selbst amouröse Andeutungen. Ein Liebesbrief liegt in der Post – anonym geschrieben. Sie schmeißt den Brief weg, hat dann aber eine Idee. Vielleicht könnte sie damit ihre Mutter auf andere Gedanken bringen? Gesagt – getan – geschafft. Doch ihre Mutter möchte jetzt mehr von diesem Verehrer wissen. In Wirklichkeit ist es Jean (Sami Bouajila), der Kollege von Émilie. Der hat noch mehr Geheimnisse auf Lager, und alle nutzen kleine Notlügen, um den anderen zu helfen. Ein frech-frivoles Verwirrspiel in dem nicht nur Nettigkeiten ausgetauscht werden. Oh là là.
Kritik
Das wirklich überraschende an dieser romantischen Komödie ist, dass Audrey Tautou auch eine manchmal nicht so charmante Person spielen kann, ganz im Gegenteil, sie ist sogar ziemlich gemein. Allerdings nur in Liebesdingen. Ansonsten ist sie eine gute Frau, bestimmt und gut im Geschäft. Nur der Mann bringt alles ins Wanken. Ihrer Mutter merkt man bald die Verwandtschaft an. Typisch französisch.
Das Bonusmaterial besteht aus einem „Beim Dreh“, dem Trailer sowie weiteren Filmtipps.
Bezaubernde Lügen (O: De vrais Mensonges): F 2010; Regisseur: Pierre Salvadori; Darsteller: Audrey Tautou, Natalie Baye, Sami Bouajila; FSK: ab 6 Jahren; Dauer: 100 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Französisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph); Vertrieb: ©Capelight Pictures. Veröffentlichung Verkauf: 01. Juni 2012.
Bewertung: 7/10 Punkten
Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 3/4 – Erotik: 2/4 - Anspruch: 2/4
In guten Händen
Sittengemälde / Komödie
Der Titel ist wirklich gelungen, das muss einfach mal festgestellt werden. Normalerweise sind deutsche Adaptionen nicht immer besser, diesmal ist die Doppeldeutigkeit perfekt gelungen. Unter dem Originaltitel „Hysteria“ können sich heute die wenigsten noch etwas vorstellen. Die Kostümkomödie, die Ende des 19. Jahrhunderts in England spielt strotzt nur so vor Witz. Sie ist frech, frivol voll feiner Ironie, gleichzeitig mit politischen und gesellschaftlichen Anleihen. Eine perfekte Komödie, die die Verbindung zwischen Sozialkritik und Spaß ausbalanciert hat. Ein Frauenfilm, in dem wirklich jeder befriedigt wird – geht es doch um nichts weniger als die Erfindung des Vibrators.
Inhalt
Unter den Frauen im viktorianischen England um 1880 breitet sich eine Krankheit aus, die pauschal als Hysteria bezeichnet wird. Dafür gibt es einen Experten, der sich den Frauen annimmt, ihnen zumindest kurzfristig Befriedigung und Heilung verschafft. Die Symptome sind völlig unterschiedlich, die Behandlung immer dieselbe. Währenddessen versucht Dr. Mortimer Granville (Hugh Dancy) eine Anstellung als Arzt zu finden. Doch seine Engagements sind nicht von Dauer, er preist die moderne Medizin, während die meisten noch den alten Heilmethoden anhängen. So bewirbt er sich bei Dr. Robert Dalrymble (Jonathan Pryce), der Arzt, dem die Frauen vertrauen. Er hat so viele Patientinnen, das er unbedingt einen Kollegen braucht, eine Behandlung im Intimbereich der Damen kann schon bis zu einer Stunde dauern. Granville erhält den Job und gewinnt die Gunst des Arztes und damit auch der jüngsten Tochter Emily. Doch die ältere, Charlotte (Maggie Gyllenhaal) hält ihn und die Familie stärker auf Trab. Sie setzt sich für Frauenrechte ein und hilft den Kranken und Bedürftigen. Als Mortimer Schmerzen in der Hand bekommt, von den vielen Behandlungen hilft ihm sein reicher Halbbruder, Lord Edmund St. John-Smythe (Rupert Everett), der als Technikfanatiker schon allerhand Neuerungen getestet hat und selbst einiges entwickelt. Dass Telefon ist sein neuestes Spielzeug, der elektrische Staubwedel kann mit Sicherheit noch verbessert werden und somit die Arbeit von Mortimer erleichtern, in nur fünf Minuten.
Kritik
Poetisch, frech, spritzig! Ein wunderbarer Film und mit Sicherheit die Perle der Woche. Hier wird Sozialkritik auf dem Tablett serviert, das Frauenwahlrecht gefordert, die Gleichstellung der Frau und die Hilfe für die Armen und Bedürftigen. Gleichzeitig gibt es die Hysterie, eine Krankheit unter Frauen, die nicht häufig genug ihre Erfüllung bekommen. Sie wollen beim Experten Dr. Dalrymble am liebsten täglich einen Termin. Dr. Granville übernimmt die Arbeit, kriegt aber eher auf Dauer eine Sehnenscheidenentzündung, also muss Abhilfe geschafft werden. Eine bahnbrechende Erfindung. Nicht zu vergessen die zauberhafte Romanze in „In guten Händen“.
Die Extras bestehen aus Interviews mit Cast und Crew, die sehr aufschlussreich gelungen sind sowie dem Trailer und weiteren Filmvorschauen.
In guten Händen (O: Hysteria): UK 2011; Regisseur: Tanya Wexler; Darsteller: Maggie Gyllenhaal, Hugh Dancy, Jonathan Pryce, Rupert Everett, Felicity Jones, Sheridan Smith; FSK: ab 12 Jahren; Dauer: 96 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Englisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph); Vertrieb: ©Senator Home Entertainment / Universum Film. Veröffentlichung Verkauf: 18. Mai 2012.
Bewertung: 9/10 Punkten
Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 3/4 – Erotik: 2/4 – Anspruch: 3/4


