Neue Musik: Ellie Goulding / Lena

13. Oktober 2012
By Holger Nickel

Ellie Goulding – Halcyon

Selten hat mir ein Album einer mir bis dato fast unbekannten Künstlerin so gut gefallen, wie es im Falle von Ellie Goulding gewesen ist. Die Frau hat es einfach drauf. Sie ist im Jahr 1986 geboren. Ihr Elektro- und Keyboardsound euphorisiert die Massen. Universal Music bringt ihr Album am 05. Oktober auf den Markt. Der Erfolg ist der jungen schönen Frau gewiss. Ihre Sounds sind der Hammer, die Stimme wunderbar passend dazu. Ellie Goulding ist eine Entdeckung für den deutschen Musikmarkt, sie hat den Erfolg verdient. Selten war ein Album vom ersten bis letzten Song zu überzeugend und so gleichmäßig gut.

Seit ihrem Debütalbum “Lights”, das direkt die Spitze der UK-Charts und die Top 10 der US-Billboardcharts eroberte, und den dazugehörigen Singles, die weltweit über fünf Millionen Mal verkauft wurden, gehört Ellie Goulding zu den spannendsten neuen Talenten des britischen Königreichs. Der internationale Durchbruch gelang ihr spielend, Einladungen von Präsident Barack Obama und Prince William & Kate folgten. Im Herbst steht nun das nächste Highlight an: Am 05. Oktober erscheint Ellie Gouldings zweites Werk “Halcyon”.

Die BBC hatte Recht behalten und die Kritiker ebenso: Ellie Goulding hatte beim “BBC Sound of 2010″ gewonnen und wurde kurz darauf mit dem BRIT Award (Critics’ Choice) ausgezeichnet – als einzige Künstlerin neben Adele, hat sie beide Preise abgeräumt. Danach erschien ihr Debütalbum “Lights” und stürmte direkt die Spitze der britischen Charts. Ihre Singles wie “Starry Eyed”, “Guns And Horses”, “Your Song” und natürlich der Titeltrack “Lights” verkauften sich rund um den Globus über 5 Millionen Mal. Auf persönlichen Wunsch von Prince William & Kate Middleton hatte sie bei der Hochzeit des Paares gesungen, sie stand gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama auf der Bühne, ging mit Katy Perry auf Welttournee und war zudem eine der ganz wenigen britischen Künstlerinnen, die die Top 10 der US-Billboardcharts geknackt haben. Im zweiten Album „Halcyon“ legt Ellie Goulding, die mit Skrillex liiert ist, wieder los und hat sich dabei Jim Elliot (Kylie, Ladyhawke) an die Seite geholt.

Mit “Halcyon”, das bei uns am 05. Oktober veröffentlicht wird, vereint Ellie Goulding Pop und Elektro erneut zu einer unwiderstehlichen Mischung, allen voran die erste Single “Anything Could Happen”, die im August Radiopremiere gefeiert hat. Alle Songs hat Ellie Goulding selbst geschrieben und co-produziert. “Dieses Album ist für mich eine Reise aus der Dunkelheit ins Licht, aus der Verwirrung hin zu Verständnis. Ich hatte eigentlich gar nicht vor, ein ‘Trennungsalbum’ zu schreiben, aber ich denke, es ist eins geworden”, beschreibt Ellie Goulding. Der Titel “Halcyon” hat im Englischen gleich drei Bedeutungen: “Friedlich. Erfüllt. Glücklich.” Wie man diesen Zustand erreichen kann, davon wird Ellie ab dem 05. Oktober mehr erzählen.

Ina Müller – Live

Ina Müller gibt Gas! Am Freitag erscheint beim Label 105 music ihre neue „Live“ Doppel-CD. Aber nicht nur, auch das Konzert in München oder sonst wo kommt als DVD bzw. Blu-Ray in den Handel. Zudem startet im NDR Fernsehen eine neue Staffel von „Inas Nacht“ ab dem 20. Oktober um 23.45 Uhr, immer sonntags zur selben Zeit. Wem das noch nicht reicht, der kann sich die neu gestaltete Website von Ina Müller zu Gemüte führen, unter www.inamueller.de. Viel Neues um die Ikone der Neuzeit aus Hamburg. Eine Frau in den besten Jahren, die über Sex redet, Geschlechterunterschiede, Frauenpower und auch sonst kein Blatt vor den Mund nimmt.

„Hallo ihr Schnullerbacken“. Ina Müller hat sehr viel Energie. Sie macht sich über Männer lustig, kämpft für Frauenpower. Erklärt die Welt, wie sie ihr gefällt. Ina Müller ist Kult und das schon lange. Sie bezieht ihr Publikum mit ein. 24 Lieder sind auf der Doppel-CD zu hören. Sie erzählt von ihrem jungen Freund, einfachen Männern die gut im Bett sind, Pilotinnen, vor denen sie Angst hat. Ina Müller ist multifunktional, Entertainerin, Musikerin oder Animateurin.

Im November ist sie auf Tour, allerdings kaum im Norden unterwegs. Das Leben in den Dörfern Norddeutschlands ist ziemlich schnörkellos und auch nur sehr, sehr selten glamourös. Man redet da meist nur das Nötigste. Manchmal fragt man sich heute, wie Ina Müller es in Köhlen, Landkreis Cuxhaven, überhaupt ausgehalten hat, unter 967 Bürgern, die vermutlich dem Klischee einigermaßen genau entsprachen. Immerhin redet Ina Müller ja nicht eben ungern, sie hat damit und mit ihrer tollen Stimme und diesem Besitz ergreifenden Lächeln Karriere gemacht. Von Anfang an sah sie selbst dabei so aus, als wäre es ihr Wurscht, notfalls auch ganz allein an diese Karriere zu glauben.

Damals vor fast 20 Jahren nämlich war sie eine Hälfte des Duos „Queen Bee“ und die Leiter war noch ein sanft ansteigender Weg. Mittlerweile sind alle Ungläubigen blamiert, strahlt Ina Müllers Lächeln noch ein bisschen unverschämter als früher und sind ihre Auftritte längst vom Geheimtipp zum Ereignis geworden. Was klipp und klar nicht zuletzt daran liegt, dass es ihr schlicht egal zu sein scheint, ob sie nun gerade „Inas Nacht“ vor zwei Dutzend Gästen im „Schellfischposten“ und mit Shantychor draußen im Novemberregen moderiert oder in den Arenen der Republik auch gern mal 12.000 Leute durch den humorigen Konzert-Abend bringt. Sie kann beides, weil sie augenscheinlich beides liebt.

Und die Leute lieben sie, nicht mehr nur im flachen Norden, das kann man neuerdings sogar auf der Konserve hören und sehen. Wenn jetzt ihre Doppel-CD und DVD/ Blu-Ray „Ina Müller Live“ erscheint, dann jubeln dieser unglaublichen Frau sogar die Münchner Bajuwaren zu, als sei sie im Grunde eine von ihnen. Die Doppel-CD und mehr noch die DVD bringen das Programm einer Entertainerin aus Passion ins Wohnzimmer, die eigentliche Unmöglichkeiten wie die „charmante Zote“ oder den „klugen Comedian“ zur Wahrheit werden lässt und dann auch noch deutsche Lieder ohne Retro- und Nostalgiefaktor serviert.

Lena – Stardust

Lena ist erwachsen geworden – das ist die am häufigsten getätigte Aussage zum neuen Album von Lena Meyer-Landrut. Die 21-jährige hat ihr erstes eigenes Album herausgebracht, ohne Hilfe von Stefan Raab, wohl aber hat sie ihn nach seiner Meinung gefragt. Universal Music hat es am 12. Oktober in den Handel gebracht. Die Single „Stardust“ wird bereits seit einiger Zeit überall promotet. Lena ist allgegenwärtig – im Fernsehen, Morgenshows, Radio, als Covermodel in Zeitschriften, in der Zeitung, fast jeder berichtet über Lena. Das dritte Album scheint das persönlichste und abwechslungsreichste zu sein. Zwölf Songs sind zu finden mit unterschiedlichen Stilen.

Ein Blick auf ihren Terminplan auf der Website der jungen Künstlerin aus Hannover unter www.lena-meyer-landrut.de verdeutlicht den Promotion Marathon, den Lena gerade zu überstehen hat. Überall darf / muss sie ihr Album vorstellen, immer gute Laune zeigen, ob im Sat.1 Frühstücksfernsehen, wo sie als Praktikantin für einen Tag mit einer Kamera spielen muss, oder in Radiostationen, nicht zuletzt natürlich auf „Tv Total“ mit Stefan Raab. Am Freitag, 26. Oktober, ist sie zu Gast in der NDR Talk Show, da wird es wieder einen etwas persönlicheren Eindruck von ihr geben können.

Für alle hannoverschen Fans bleibt schon mal der 19. April 2013 vorzumerken, dann tritt sie in ihrer „No one can catch us“ Tour im Capitol auf.

Was gibt es über Lena zu sagen, was die meisten nicht ohnehin schon längst wissen. Der Pressetext bzw. ihre Biographie auf der Website ist sehr gut geschrieben, das sollte man sich mal durchlesen. Hier ein Vorgeschmack: „Bei Raab gewonnen. Plattenvertrag unterschrieben. „Satellite“ veröffentlicht. Bei Wetten, Dass ..? aufgetreten. Erstes Album gemacht. Nach Oslo geflogen. Zwölf Punkte von Lettland gekriegt. Ein Schildkrötenmädchen synchronisiert. Werbewirksam in einem Kleinwagen gesessen. In der Sesamstrasse ergreifendes Duett mit Ernie gesungen. „Taken By A Stranger“ veröffentlicht. Zweites Album gemacht. Sechs Songs gleichzeitig in den Top 100 gehabt. Kai Pflaume und Gary Barlow beim Echo kennengelernt. Deutschlandtour absolviert. Nach Düsseldorf gefahren. Dort von Frank Elstner interviewt worden. Acht Punkte von Lettland gekriegt. Für Matthias Schweighöfer gesungen. Ein Bett gekauft. Reingelegt. Ausgeschlafen.

Wenn dein Leben zwei Jahre lang im Schnelldurchlauf stattfindet, solltest du irgendwann mal kurz nachschauen, ob das Ding auch `ne Pausetaste hat: Nach zwei mit Platin ausgezeichneten Nummer-1-Alben, diversen Musikpreisen und einem 10-Jahres-Vorrat an Vielfliegermeilen wollte Lena Meyer-Landrut das Jahr 2011 eigentlich in Ruhe auf ihrer Couch und an der Uni Köln verbringen. „Grundfragen der Erkenntnis- und Sprachphilosophie” statt Tonstudio und Wok-WM.“

Wer wissen möchte, wie geheim und sicher das Album behandelt wird, es ist das erste Mal, das ein Album nicht zum Download für Journalisten angeboten wurde, sondern nur auf einem Extra-Player zum anhören online… Nichts mit kopieren und im Auto auf sich wirken lassen, stattdessen in der Nähe des PCs bleiben und lauschen – keine gute Idee!

Lena ist erwachsen geworden, das sieht man dem Mädchen an. Ihr Video „Stardust“ ist wunderbar verspielt und optisch wunderbar gemacht, allein diese Frau soll älter wirken als sie in Wirklichkeit ist. Warum, warum nicht?! Die Musik ist immer noch sehr interessant, aber kaum mit den vorherigen vergleichbar. „Stardust“ hat nach mehrmaligem Hören wirklich Chartpotenzial – und es ist Lena zu wünschen, dass sie mit dem Album Erfolg hat, dafür steht sie zu sehr im Mittelpunkt des Interesses und der Boulevard, der sie Groß gemacht hat, wartet nur auf einen Misserfolg. Neben „Stardust“ haben vielleicht noch „Goosebumps“ mit Miss Li, „Better News“ ob der Lebensfreude und des Textes und das fröhlichste Lied auf dem Album „Mr. Arrow Key“ – das ist wirklich gut.

Fools Garden – Who is Jo King

FOOLS GARDEN, die mit Lemon Tree in den 1990’ern einen weltweiten Hit landeten, melden sich zurück mit der Single „INNOCENCE“, als Ankündigung für das darauf folgende Album „WHO IS JO KING?“ (VÖ: 12.10.12). Ohne jeglichen Zeitdruck entstand das Album innerhalb von zweieinhalb Jahren. Nicht nur musikalisch sondern auch handwerklich ist das Album ein gelungenes Werk. Frei nach ihrem Vorbild, den BEATLES, ließen sie das Album-Cover von dem berühmten Beatles-Freund und Grafiker KLAUS VOORMANN gestalten, der für die Fab Four damals das legendäre REVOLVER Cover entwarf. 7Days music und Sony Music veröffentlichen das Album.

Wenn man in Russland live vor über 100.000 und im chinesischen Fernsehen vor 30 Millionen Menschen aufgetreten ist, wenn man Musik schreibt, die überall auf der Welt gehört wird und man weit mehr als sechs Millionen Platten verkauft hat, und wenn man ein Lied komponiert hat, das in mehr als 40 Sprachen übersetzt wurde und heute bereits als Klassiker gilt – dann muss man niemandem mehr etwas beweisen.

„Lemon Tree“ war definitiv ein Segen. Der Song kam zu mir, als ich auf meine Freundin wartete und mir war sofort klar, dass der Song etwas ganz Besonderes ist. Ein Tag Produktion – der Rest ist Geschichte, die bis heute andauert«, erzählt Sänger Peter Freudenthaler. Erfrischenderweise kokettieren FOOLS GARDEN nicht mit dem vermeintlichen Fluch, den so ein Welthit mit sich bringen kann. Im Gegenteil, sie spielen „Lemon Tree“ auch heute noch gerne live und sind nach wie vor stolz auf den Song. »Der Song war fast überall auf der Welt erfolgreich, warum sollten wir diesen wichtigen Teil unserer Karriere verleugnen? Wir machen Musik, geben Konzerte und können gut davon leben – was wollen wir mehr?«

FOOLS GARDEN spüren keinen Druck, deswegen müssen sie sich nicht dauernd profilieren. Auch wenn sie vordergründig in der deutschen Musiklandschaft nicht ständig präsent sind – die Band war umtriebig in den letzten Jahren. Sie haben live gespielt, waren nach der Veröffentlichung des „Best Of“ Albums unter anderem auch akustisch und unplugged unterwegs. In kleinen Clubs, fern vom großen Spektakel und, sie haben sich Zeit genommen. Vielleicht ist das ein Rezept? Die Musik nicht zu zwingen und die Songs auf sich zukommen zu lassen. Eventuell geraten sie dann besonders gut. Für ihr Album „WHO IS JO KING?“ haben FOOLS GARDEN sich jedenfalls zweieinhalb Jahre Zeit gelassen. Und es hat sich gelohnt.

Die Geburtsstunde des außergewöhnlichen Albumtitels war die Reise zu einer Veranstaltung im chinesischen Chongqing vor drei Jahren. Beim Antritt hatte jemand aus dem Team den Namen der Stadt nicht verstanden und laut gefragt, wer denn eigentlich dieser „Jo King“ sei. Leider endete das Engagement tragisch, weil die Region durch Erdbeben erschüttert wurde, und aus dem geplanten mehrtägigen Musikevent ein Benefizkonzert wurde. »Gerade in dieser Katastrophe war das Lachen über das Mißverständnis ein wichtiger Lichtblick für uns alle. Er gab uns Kraft und mit dem Titel erinnern wir daran.«

Als vor vier Monaten der Track „INNOCENCE“ entstand, war der Moment gekommen, an dem Frontmann Peter und Co-Gründungsmitglied Volker Hinkel klar wurde: Jetzt ist es Zeit, Gas zu geben. Der Song gab dem ganzen Album Schub und Richtung – und wird folgerichtig auch die erste Single von „WHO IS JO KING?“. Im Juni entstand mit der Unterstützung des Filmorchesters Babelsberg ein glasklarer, kraftvoller Song, der von einer Art Unbeschwertheit erzählt, die wir alle einmal besessen haben: „INNOCENCE“ feiert die kindliche Unschuld, die es gilt zu bewahren, wenn wir erwachsen werden.

Damit bereitet „INNOCENCE“ den Boden für ein Album, das mit erstaunlicher Leichtigkeit die fundamentalen Themen des Lebens angeht. Ob es sich wie in „HOW DO YOU FEEL“ um einen Apell an die innere Schönheit eines jeden von uns handelt oder um „MAYBE“, das uns ermutigt, an unseren Idealen festzuhalten und uns nicht verbiegen zu lassen, oder auch um das ergreifende „HERE AM I“, dessen Text Freudenthaler an einem irischen Strand schrieb. »Als ich da saß und dem Meer dabei zusah, wie es mit jeder Welle Spuren im Sand hinterließ, fühlte ich mich ein bißchen wie Homer. Ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns etwas für die Nachwelt hinterlässt, und sei es noch so klein. Jedes Ding beeinflußt ein anderes – ob deutlich oder subtil.« Sogar noch persönlicher wird es, wenn man erfährt, dass „WATER“ dem Abschied Freudenthalers von seinem Vater gewidmet ist. Die Offenheit, mit der er die Hintergründe des bewegenden Songs preisgibt und das positive Grundgefühl, mit dem er das Erlebte verarbeitet, haben viel mit der Erfahrung von Freiheit zu tun. Ein interessantes Album, das besser wird, je häufiger man es hört.

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