Paul Collier – Die unterste Milliarde

18. März 2017
By Holger Nickel

Politik / Wirtschaft

Der vielfach preisgekrönte Longseller Die unterste Milliarde – Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann“ von Paul Collier jetzt in einer neuen Ausgabe. Das Original ist in Deutschland zuerst im Jahr 2008 erschienen. Die unterste Milliarde – das sind die ärmsten Menschen der Erde, die am weltweit steigenden Wirtschaftswachstum keinen Anteil haben. Ihre Lebenserwartung ist auf fünfzig Jahre gesunken, jedes siebte Kind stirbt vor dem fünften Lebensjahr. Seit Jahrzehnten befinden sich die Ökonomien dieser Länder im freien Fall – ohne Aussicht auf Besserung. In seinem vielfach preisgekrönten Bestseller erklärt Paul Collier, wie es zu dieser krassen Armut gekommen ist und was man gegen sie tun kann. Weniger als einen Dollar am Tag zu verdienen, ist in der westlichen Welt undenkbar, vor allem im Afrika südlich der Sahara ist es leider noch stark verbreitet, obwohl sich die Situation in den vergangenen zehn Jahren verbessert hat.

Inhalt

Wie sieht das Leben der Menschen, die die unterste Milliarde sind, als solche gelten? Wo leben sie, was kann ihr Staat machen, um die Situation der Menschen zu verbessern? Wichtige Fragen, die generell mit einem besseren Zugang zu Lebensmitteln, Bildung und Information beantwortet werden können. Aber was soll ein Bauer in der Wüste machen, um seine Familie zu ernähren? Kinder kriegen für die Altersvorsorge, von denen einige schon im Kindesalter wieder sterben? Was tragen Konflikte in den Regionen bei, die komplett fehlenden Ressourcen oder die Nutzung für die westliche Welt? Was hat unsere Entwicklungshilfe in den vergangenen Jahrzehnten bewirkt – Hilfe zur Selbsthilfe oder doch nur von oben herab auf kurzfristige Erfolge zusetzen? Wie kann es jedes Jahr Hungersnöte in einem Land geben? Welche Entwicklung wäre möglich, wie sollen wir, die westliche reiche Welt handeln. Wir haben die Situation zu verantworten, Lösungen fehlen komplett. Das ist einer der Gründe für die Flüchtlingsschwemme, das Versagen der Kolonialmächte. 60 Jahre Unabhängigkeit haben leider zu wenig Fortschritt gebracht, ein Minimum an kollektiven Wohlstand zu fördern.

Kritik

Setzt euch mit den Erkenntnissen, Thesen und Forderungen des Autors auseinander. Interessante Aspekte werden hier angesprochen. Weniger sozialromantisch als vielmehr wirtschaftlich empirisch. Wie soll es werden, was könnte eine Lösung sein? Wobei natürlich immer von Land zu Land zu unterscheiden ist. Manche Staaten haben einfach geringes Potenzial zur Verbesserung, anderen fehlt allein schon eine Regierung. Armut ist ein Konstrukt des Kapitalismus, kann es in eben jenem kuriert werden?

Paul Collier ist Professor für Ökonomie und Direktor des Centre for the Study of African Economies an der Universität Oxford. Seit vielen Jahren forscht er über die ärmsten Länder der Erde und untersucht den Zusammenhang zwischen Armut, Kriegen und Migration. Für seine Arbeit und seine Publikationen wurde er mehrfach ausgezeichnet, bei Pantheon ist von ihm zuletzt das Buch „Exodus” (2016) erschienen. „Die unterste Milliarde – Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann“ heißt im Original „The Bottom Billion“, wurde von Rita Seuß und Martin Richter übersetzt, hat 256 Seiten und ist im Pantheon Verlag am 27. Februar erschienen.

Bewertung: 7,9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 1/4 – Humor: 1/4 – Erotik: -/4 – Anspruch: 3/4

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