Pauliina Susi – Das Fenster

16. Juli 2017
By Holger Nickel

(Cyber-Polit)-Thriller

Es ist wohl für jeden von uns eine Horrorvorstellung und niemand sicher oder gar davor gefeit: Wenn ein Hacker sich für deine Daten interessiert, dann bist Du ein gläserner Mensch, dann bist Du diesem Individuum ausgeliefert und es kann haarig werden. Via PC, Tablet oder Handy kann man sich einloggen, Daten stehlen, manipulieren. Dies geschieht einer Mitte 30-jährigen Frau, die gerade vor einer guten beruflichen Karriere steht und im Fernsehen aufgetreten ist. Doch ein kürzlich ernannter Justizminister hat im Internet Mist gebaut, es könnte ein kompromittierendes Video von ihm geben, das offensichtlich von Leias Computer aufgenommen wurde. Dies gilt es zu löschen, jedes Mittel erscheint erlaubt, zwischen dem Minister, seinem Assistenten und dem Computer-Nerd, der es aufspüren soll. Doch Leia weiß von nichts, fällt aus allen Wolken, als man ihr ans Leben möchte. Derweil ist ihre Teenager-Tochter in Schweden auf der Suche nach ihrer Vergangenheit.

Inhalt

Leia Laine (35) soll Leiterin einer Helsinkier Beratungsstelle für sexsüchtige Männer werden. Nach einem Talkshowauftritt geht ein hasserfüllter Shitstorm auf sie nieder, sie bekommt Drohungen per SMS, kurz darauf werden ihre Konten, einfach alles, gesperrt. Doch von wem? Der abgedrehte Hacker Land-0, der größten Spaß daran hat, virtuelle Grenzen zu überschreiten, hat es auf sie abgesehen. Doch nicht nur er. Leia ahnt nicht, dass es letztlich um ein hochbrisantes Skype-Video geht, auf dem der Justizminister zu sehen ist und das sie selbst im Besitz haben soll – bis es fast zu spät ist: Ihre 16-jährige Tochter Vivii gerät ins Fadenkreuz der Verfolger, als diese auf einem Trip nach Schweden ist, um selbst in ihrem Leben zu recherchieren. Die Situation spitzt sich zu. Leia kommt nicht zur Ruhe, an einem Wochenende passiert so viel. Sie lernt einen neuen Mann, einen Nachbarn kennen, bricht sich das Fußgelenk und merkt bald, dass tatsächlich jemand all ihre Computerdaten hackt. Eigentlich kein gutes Zeichen, doch weil es gleich zwei Parteien auf sie und ihre Tochter abgesehen haben, könnte es sich als Glücksgriff erweisen.

Kritik

Ein interessanter Roman, der ein sehr aktuelles und beängstigendes Thema anspricht, vor dem wir alle die Augen verschließen. Ein spannendes Buch mit einer allerdings sehr langen Anlaufzeit, einem viel zu kurzen Höhepunkt und einem Ende, das ebenfalls zu kurz gerät. Ein PC-Nerd muss in Aktion treten, live und vor Ort, nicht am PC, obwohl da auch. Ein Politiker hat ernsthafte Probleme und sein Assistent geht über Leichen. Nur die arme Leia, die sich beruflich für Männer einsetzen möchte, die zu Prostituierten gehen, scheint völlig unschuldig. Vieles ist sehr gelungen, anderes minimal zu langatmig, am Ende muss der Suspicious-Teil leider herhalten.

Pauliina Susi, 1968 geboren, hat Politikwissenschaft studiert und bei verschiedenen renommierten finnischen Magazinen als Journalistin gearbeitet. Ihr Debutroman ‚Ruuhkavuosi‘ (Tammi 2005) wurde für den angesehenen Literaturpreis Helsingin Sanomat nominiert, während ‚Takaikkuna‘ (Tammi 2015) von Lesern und Presse gleichermaßen enthusiastisch aufgenommen wurde. „Das Fenster“ („Takaikkuna“), hat 527 Seiten, wurde von Stefan Moster übersetzt und ist im dtv Premium am 05. Mai erschienen.

Bewertung: 8/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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