Richard J. Evans – Das europäische Jahrhundert

1. Dezember 2018
By Holger Nickel

Historiensachbuch

„Das europäische Jahrhundert“ entwirft ein außergewöhnlich facettenreiches, überraschendes und unterhaltsames Panorama des 19. Jahrhunderts in Europa. Der Kontinent durchlief zwischen 1815 und 1914 eine drastische Transformation mit grundstürzenden Veränderungen in Kultur, Politik und Technik. Was in einer Dekade als modern empfunden wurde, war in der nächsten bereits veraltet. Großstädte schossen innerhalb einer Generation aus dem Boden, und neue europäische Länder gründeten sich. In der Zeit zwischen der Schlacht von Waterloo und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs beherrschte Europa den Rest der Welt wie niemals zuvor oder je wieder danach. Richard J. Evans taucht tief ein in die Revolutionen und Kriege des 19. Jahrhunderts, schreibt aber auch über gesellschaftliche Verwerfungen, über Religion und Philosophie. „Das europäische Jahrhundert“ ist ein in jeder Hinsicht epochales Werk und erklärt uns auf einzigartige Weise das vergangene und das heutige Europa.

Inhalt

Ein recht übersichtliches Inhaltsverzeichnis, das die LeserInnen gleich einstimmt, was ihnen bevorsteht. Mehr als 1.000 Seiten Historie, über allen Länder Europas und alles Aspekte des Lebens. Die Politik, die Hierarchien, die Revolutionen und Kriege. Zwischen Napoleon und dem Ersten Weltkrieg, den größten Zäsuren der damaligen Zeit. Jüngst wurde 1848 gedacht, in Deutschland für viele Historiker ein wichtiges Datum, das Ende des 30-jährigen Krieges. Imperialismus, Demokratie – Schlagworte der Zeit, die es inhaltlich auszuprobieren halt. Die Abkehr von der Aristokratie hin zu einem scheinbar gerechteren Leben der Menschen untereinander. Wobei hier noch viele Baustellen offenblieben, die dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachgeholt wurden. Für Deutschland war das Jahrhundert noch wichtiger, als für die Nachbarn. Religion, Philosophie und gesellschaftliche Veränderungen. Taucht ein in diesen dicken Wälzer. Vieles ist in dieser Zeit entstanden oder hat wichtige Erneuerungen erfahren.

Kritik

Geschichte spannend und wirkungsvoll für die LeserInnen geschrieben. Hier lernen wir auf einfache und zugängliche Weise, wie es in den 100 Jahren zwischen 1815 und 1914 gewesen ist, was unsere Politik in Europa bestimmt hat, wie die Kolonien entstanden sind und sich die Gesellschaft weiterentwickelt hat. Welche Rolle spielte die Politik, die Weiterentwicklung zu Demokratien in Ansätzen. Ein spannendes Werk über die europäische Geschichte.

Richard J. Evans, geboren 1947, war von 1998 bis 2017 Professor für Neuere Geschichte an der Cambridge University, 2008 wurde er zum Regius Professor ernannt. Er ist mit bahnbrechenden Publikationen zur deutschen Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts und zum Nationalsozialismus hervorgetreten. Zwischen 2003 und 2008 veröffentlichte Evans eine dreibändige Geschichte des »Dritten Reiches«, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde und bei der DVA auf Deutsch erschienen ist. Zu seinen Auszeichnungen zählen der Wolfson Literary Award for History und die Medaille für Kunst und Wissenschaft der Hansestadt Hamburg. 2012 wurde Evans von Queen Elizabeth II. zum Ritter ernannt. Zuletzt ist von ihm erschienen »Veränderte Vergangenheiten. Über kontrafaktisches Erzählen in der Geschichte« „Das europäische Jahrhundert“ heißt im Original „The Pursuit of Power“ und wurde von Richard Barth übersetzt, hat 1224 Seiten und ist am 15. Oktober im DVA Verlag erschienen.

Bewertung: 7,9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 1/4 – Erotik: -/4 – Anspruch: 3/4

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