Simone Meier – Fleisch

18. März 2017
By Holger Nickel

Liebe – Gesellschaftliche Gelüste

Ein lustvoller, lustiger Liebesroman über Menschen, die mit dem Jungsein und dem Älterwerden kämpfen. Und damit, dass ihre Fantasie die Realität um Längen schlägt. Doch dann geschehen Dinge, die hätten selbst sie sich niemals vorgestellt. „Fleisch“ von Simone Meier seziert die Beziehungen von Menschen, sie zeigt die Leichtigkeit der Sexualpartner auf, ihre Wünsche und Hoffnungen, ihre schlichte Lust auf Zweisamkeit. Doch mitten in all den Wirren um Sex und Liebe sind manche Menschen in ihrer Welt gefangen. Max und Anna kennen sich seit Jahren, führen eine Art Freundschaft plus, die bald Max nicht mehr reicht. Er sucht den Kick woanders, landet bei Sue, die er für seine Dienste bezahlt. Währenddessen lernt Anna Lilly kennen, die Mitbewohnerin von Sue und entdeckt ihre Zuneigung zu Frauen. Ein Roman über die Liebe, ihre Verzückung aber auch ihre Pein, wenn es nicht so läuft, wie erhofft.

Inhalt

Anna und Max, beide Mitte vierzig, sind miteinander zur Schule gegangen und viel später aus Bequemlichkeit ein Paar mit langweiligen Paarfantasien geworden, eigentlich eher eine formlose Affäre. Doch dann verliebt sich Anna, geplagt von allen Begleiterscheinungen des Älterwerdens, zum ersten Mal in eine Frau, in die 27-jährige Lilly. Und Max verliebt sich in Lillys Mitbewohnerin Sue, die jedoch nur gegen Geld mit ihm ins Bett geht. Er nennt sie Charlie, kann mit ihr schlafen, ohne an Anna zu denken. Ein Lehrer auf Abwegen, der langsam beginnt, an seinem Verstand zu verzweifeln. Anna träumt von Lilly, schläft aber mit einem Filmstar. Lilly wiederum muss sich um ihren kleinen Bruder kümmern, der Eltern und Lehrer zur Verzweiflung treibt, doch Anna ist ihr keineswegs entgangen. Psychoterror und Wahnsinn schleichen sich in die Geschichte, dennoch wird ein Happy End angepeilt. Es gibt noch ein paar andere Figuren, doch letztlich reduziert sich alles auf Max, der verrückt zu werden scheint, Anna und Lilly, während Sue den Abstand zu den Personen hält, die ihr gefährlich werden könnten. Die Liebe ist schwierig, sie ist wunderschön und eiskalt, je nachdem wie wir sie empfinden können.

Kritik

Ein wunderbarer Roman, der mich mehrfach zum Lachen gebracht hat. Letztlich ist die Aussage alles andere als humorvoll und amüsant. Es geht vielmehr um unerwiderte Liebe, um die Schmerzen der Menschen in Bezug auf Liebe und Beziehung. Das ist alles sehr stark gezeichnet und realistisch. Hier dürften sich viele Menschen wiederfinden. Ein Roman, der ins Schwarze trifft, Beziehungen seziert. Trotz der schwierigen Herangehensweise ein Lob an die Autorin.

Simone Meier, geboren 1970 in Lausanne, ist Autorin und Journalistin – früher bei der »Wochenzeitung« und beim »Tages-Anzeiger«, heute bei »watson« – in Zürich. Sie hat diverse Preise und Stipendien gewonnen. Ihr Romanerstling »Mein Lieb, mein Lieb, mein Leben« erschien im Jahr 2000. Simone Meier lebt glücklich von Liebe, Fleisch und Fernsehen. Und vom Schreiben. „Fleisch“ hat 256 Seiten und ist im Kein & Aber Verlag am 31. Januar erschienen.

Bewertung: 8,2/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 2/4 – Anspruch: 3/4

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