Sten Nadolny – Das Glück des Zauberers

5. Dezember 2017
By Holger Nickel

Erzählung / Zeitgeschichte

Sten Nadolny ist mit dem Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“, aus dem Jahr 1983, vielen im Gedächtnis geblieben. Nun ist in diesem Jahr „Das Glück des Zauberers“ als Roman und Hörbuch erschienen. Ein Roman, der die Zeitgeschichte des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts auf sehr persönliche Art zusammenfasst und dem Ganzen ein wenig Glanz hinzufügt, in dem die Zauberei ein gewisse Rolle spielt. Zauberer leben versteckt unter den Menschen, die können unterschiedliche Dinge, wie Geld machen, durch Wände gehen, fliegen oder sich in Tiere verwandeln. Pahroc, so der Name des Helden, schreibt im hohen Alter Briefe an eine junge Verwandte, die diese aber erst im Erwachsenenalter lesen soll. Ein seltsamer Roman, der gegen Ende einen Widerspruch erhebt, der zwar geklärt wird, aber den Roman noch stärker wie ein Märchen eines alten Mannes wirken lässt.

Inhalt

»Allem Zauber wohnt ein Anfang inne«: Und die Anfänge des Zauberers Pahroc reichen zurück in die Jahre vor dem ersten Weltkrieg. Schon bald kann Pahroc durch die Lüfte spazieren, später lernt er durch Wände zu gehen, Geld herbeizuzaubern und für Sekunden aus Stahl zu sein – was ihm dabei hilft, auch den nächsten Krieg zu überleben. Pahroc gehört zu den Großen seines heimlichen Fachs, getarnt hinter Berufen wie Radiotechniker, Erfinder und Psychotherapeut. Im Alter von über 106 Jahren gilt seine größte Sorge der Weitergabe seiner Kunst an seine Enkelin Mathilda. Und so schreibt er sein Leben für sie auf. Es ist die lebenskluge, unerhörte Geschichte eines Mannes und seiner sehr eigenen Art des Widerstands gegen die Entzauberung der Welt. Er schreibt über die wichtigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts, über den Zweiten Weltkrieg, macht Seitenhiebe bis hin zur heutigen Politik. Ein Zauberer mit nur einem einzigen Gegner auf dieser Welt, dem bösen Schneidebein. Ein alter Mann fabuliert über sein Leben, im Rückblick klingt alles immer imposanter und besser…

Kritik

Gut gelesen und vorgetragen. Otto Mellies hat zwischendurch noch in Frauke Poolman und Gerd Grasse Helfer. Was wir von diesem Roman halten ist eine ganz andere Frage. Die Erzählung wirkt manchmal zu albern, fast schon wie eine Persiflage, während in anderen Momenten wichtige Beobachtungen beschrieben werden. Vieles wirkt zu konstruiert, die Nazizeit ist als Thema immer beliebt beim Feuilleton in Deutschland und verschafft Publicity. Gegen Ende ist es schlicht zu viel Märchen, das einem aufgetischt wird. Eine Hörprobe gibt es auf der Website von Hörbuch Hamburg. Das Hörbuch beinhaltet 8 CDs mit einer Gesamtlaufzeit von 630 Minuten. „Das Glück des Zauberers“ ist im Osterwold Audio Verlag am 01. September erschienen. Die Buchversion mit 320 Seiten ist im Piper Verlag erschienen.

Autor: Sten Nadolny, geboren 1942 in Zehdenick an der Havel, lebt in Berlin und am Chiemsee. Für sein Werk wurde er unter anderen mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis 1980, dem Hans-Fallada-Preis 1985, dem Premio Vallombrosa 1986, dem Ernst-Hoferichter-Preis 1995 und dem Weilheimer Literaturpreis 2010 ausgezeichnet. Nach seinem literarischen Debüt Netzkarte erschien 1983 der Roman Die Entdeckung der Langsamkeit, der in alle Weltsprachen übersetzt inzwischen zum modernen Klassiker der deutschsprachigen Literatur geworden ist. Danach veröffentlichte Sten Nadolny zahlreiche weitere Romane und den gemeinsam mit Jens Sparschuh verfassten Gesprächsband Putz- und Flickstunde. Für seinen Familienroman Weitlings Sommerfrische wurde ihm 2012 der Buchpreis der Stiftung Ravensburger Verlag verliehen. Mit Das Glück des Zauberers legt er nach längerer Pause einen großen Roman über das 20. Jahrhundert vor.

Sprecher: Otto Mellies ist ein bekannter deutscher Schauspieler und Synchronsprecher. Über 50 Jahre lang gehörte er zum Ensemble des Deutschen Theaters und spielte dort u. a. König Ödipus und Nathan, den Weisen. Seine charakteristische Stimme lieh er Schauspielern wie Paul Newman, Christopher Lee und Sean Connery. Otto Mellies wurde mit dem Nationalpreis der DDR und dem Deutschen Filmpreis 2012 ausgezeichnet.

Bewertung: 7,9/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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