Tanja Kinkel – Grimms Morde

26. Dezember 2018
By Holger Nickel

Historisches Sittenbild mit Krimi

Der neue historische Roman der Spiegel-Bestseller-Autorin Tanja Kinkel führt zurück in das neunzehnte Jahrhundert und verbindet märchenhaftes Setting und historische Spannung mit einer grausamen Mordserie: Aus Grimms Märchen werden „Grimms Morde“: Die Mätresse des hessischen Kurfürsten wird bestialisch ermordet, und die einzigen von der Polizei vorgefundenen Hinweise führen zu den Brüdern Grimm und zu den Schwestern von Droste zu Hülshoff – Anleihen zu einem Märchen. Nur die Zusammenarbeit der ungleichen Geschwisterpaare kann die Wahrheit über Morde und Märchen an den Tag bringen. In einer Zeit, wo die Errungenschaften der Freiheitskriege verloren gehen, Zensur und Überwachung in deutschen Fürstentümern wieder Einzug halten, müssen die vier sich den Verwicklungen der Vergangenheit stellen, um die Rätsel der Gegenwart zu lösen.

Inhalt

Die Brüder Grimm haben die Zeit von Napoleon in Hessen überstanden. Sie sind Bibliothekare, unterbezahlt, aber sie können davon leben, zusammen mit ihren Verwandten. Jacob hat nicht viel Sinn für das andere Geschlecht, ist eher Fachidiot nach außen hin, während Wilhelm trotz aller Intellektualität, nicht vor Selbstzweifeln und niederträchtigen Gedanken gefeit ist. In seinen Träumen begegnet er Annette von Droste zu Hülshoff, einer patenten Frau, die ein wenig zu modern und selbstständig für die Zeit erscheint, ebenso wie ihre Schwester Jenny. Als sie von den Morden erfahren, wollen sie selbst Untersuchungen anstellen. Hier hat jemand gewollt bestialisch gemordet. Bevor die Grimms selbst unter Verdacht stehen könnten, wollen sie den oder die wahren Täter entlarven. Das gestaltet sich schwierig, zumal der Adel von normalen Untersuchungen ausgeschlossen scheint. In der Nach-Napoleon-Ära stehen die Menschen noch unter Verdacht, zuvor für die falsche Seite gekämpft zu haben. Doch wer hatte Interesse an einem Mord, zumal auf diese Art und ein zweiter Mord folgt alsbald. Es ist der Intelligenz der Frauen zu verdanken, dass sie des Rätsels Lösung näherkommen…

Kritik

Ein Roman, der mich Wochen gekostet hat. Der Lesefluss ging verloren, obwohl das Ganze gar nicht mal schlecht geschrieben ist. Aber es ist kein reiner Historienkrimi, sondern ein Sittenbild, mit viel Zeitgeist und Erklärungen, während der Fall in den Hintergrund rückt. Die Auflösung ist gut, dauert nur viel zu lange. Informativ, was die historischen Zusammenhänge anbelangt, gut recherchiert, als reiner Thriller aber gewöhnungsbedürftig, obwohl es sehr viele positive Stimmen zum Roman gibt. Tanja Kinkel rückt immer wieder vom eigentlichen Thema ab, erklärt die Epoche, das Hessen des frühen 19. Jahrhunderts (1821). Nicht schlecht, fesselt aber zu wenig.

Tanja Kinkel, geboren 1969 in Bamberg, gewann bereits mit 18 Jahren ihre ersten Literaturpreise. Sie studierte in München Germanistik, Theater- und Kommunikationswissenschaft und promovierte über Aspekte von Feuchtwangers Auseinandersetzung mit dem Thema Macht. 1992 gründete sie die Kinderhilfsorganisation „Brot und Bücher e.V“, um sich so aktiv für eine humanere Welt einzusetzen (mehr Informationen: www.brotundbuecher.de). Tanja Kinkels Romane wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt; sie spannen den Bogen von der Gründung Roms bis zum Amerika des 21. Jahrhunderts. Zu ihren bekanntesten Werken gehören “Die Löwin von Aquitanien” (1991), “Die Puppenspieler” (1993), “Mondlaub” (1995), “Die Schatten von La Rochelle” (1996), “Die Söhne der Wölfin” (2000), “Götterdämmerung” (2003), „Venuswurf“ (2006), „Säulen der Ewigkeit“ (2008) und “Im Schatten der Königin” (2010), “Das Spiel der Nachtigall” (2011), “Verführung” (2013) und “Manduchai – Die letzte Kriegerkönigin” (2014). Jetzt folgt das Taschenbuch zu „Grimms Morde“, das 472 Seiten hat und im Droemer Verlag am 2. November erschienen ist.

Bewertung: 7,7/10 Punkten

Spannung: 2/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 1/4 – Anspruch: 3/4

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