Tarja erobert Hannovers Fans im Sturm

5. Mai 2014
By Steve Palaser

Tarja

Ein Metal-Konzert im Theater erlebt man auch nicht alle Tage! Doch Tarja Turunen ist bekanntlich auch keine alltägliche Metal-Sängerin. Die Sopranistin mit klassischer Ausbildung gehört mit ihrer Stimme auch auf Theater- und Opernbühnen und fühlt sich dort ebenso wohl wie bei den einschlägigen Metal-Festivals. Entsprechend war die Idee für das Konzept zur Tour zum aktuellen, dritten Solo-Album „Colours in the Dark“ nicht zu weit hergeholt. Bereits im Herbst letzten Jahres bereiste Tarja diverse europäische Metropolen, um dort in stilvollen Veranstaltungs-Locations wie Theatern etc. in entsprechendem Ambiente zu spielen.

Im Mai 2014 startete sie den zweiten Teil ihrer „Colours in the Road“-Tour, der sie am 3. Mai ins hannoversche Theater am Aegi führte. Das Theater war gut gefüllt, nur der Balkon war bis auf die erste Reihe relativ verwaist. Doch bevor Tarja sich dem hannoverschen Publikum präsentierte, war es an einer jungen, aufstrebenden Metal-Band aus Holland mit dem originellen Namen The Name, das Publikum aufzuwärmen. The Name haben mit Tarjas Ex-Band Nightwish gemeinsam, dass es sich um Female Voices-Metal handelt, also eine Frau das Mikro in der Hand hat.

The Name

Ein Metal-Genre, welches durch die Vielzahl an Female Voices Metal-Bands, die im Zuge des Erfolges von Nightwish und Within Temptation in deren Fußstapfen getreten sind, eigentlich inzwischen übersättigt sein müsste, doch es lassen sich immer wieder neue Facetten entdecken, so dass neue Bands dieser Stilrichtung nicht wie einfache Klone wirken. Außerdem nimmt Tarja schließlich nicht nur irgendjemand als Support Act mit auf Tour, sondern denkt sich auch etwas dabei. Und wenn die Mutter des Female Voices Metal der Meinung ist, dass The Name mehr Aufmerksamkeit verdienen, dann sollte man sich die fünfköpfige Band auch näher anhören. Sängerin Hadassa ließ nicht nur ihre langen blonden Haare beim Headbangen fliegen, sondern wirkte auch sonst sehr sympathisch in ihrer Performance und Interaktion mit dem Publikum. Man merkte der Band an, dass sie überglücklich war, für Tarja eröffnen zu dürfen. Sie spielten hauptsächlich Stücke von ihrem aktuellen Album „Unchained“ und bot eine energetische Show, denn auch die Gitarristen und der Bassist blieben nicht statisch an ihren Plätzen, sondern bewegten sich über die Bühne und veränderten ihre Positionen, ebenso wie Hadassa ihre Bandkollegen immer wieder „besuchte“ und mit ihnen sang. Die Stücke waren alle kraftvoll und eingängig, Hadassas Stimme passte perfekt zu den Arrangements und auch die Gitarrenriffs hatten mächtig Power. Kurzum, auch die Zuschauer in Hannover sahen und erlebten schon nach kurzer Zeit, was Tarja dazu bewogen hat, The Name mit auf Tour zu nehmen. Die Band freute sich auch sichtlich über die positive Reaktion des Publikums und verabschiedete sich mit den Worten „Ihr wart großartig, Hannover!“, natürlich auf Englisch gesprochen.

Nach einer Viertelstunde Umbaupause wurde es Zeit für Tarjas Auftritt. Zu Beginn nahm Tarjas Band ihre Plätze an ihren Instrumenten hinter einem halbdurchsichtigen Vorhang ein, der jedoch schnell gelüftet wurde, als Tarja die Bühne stürmte. Innerhalb weniger Sekunden hatte sie das Publikum begeistert und es gab eine perfekte Chemie zwischen ihr und den Fans, eine besondere Atmosphäre, die das ganze Konzert über anhielt. Sie spielte dabei nicht nur Stücke vom aktuellen Album „Colours in the Dark“, sondern auch ihren ersten Solo-Hit „I Walk Alone“ von ihrem ersten Solo-Album nach der Trennung von Nightwish, „My Winter Storm“ und Stücke von dessen Nachfolger „What Lies Beneath“.

Aber auch ihre Nightwish-Zeit ignorierte sie nicht, sondern spielte mit „I Wish I Had An Angel“ einen ihrer beliebtesten Hits mit der Band in einer Fassung, bei der es das Publikum nicht mehr in den Sitzen hielt, da man sich zu diesem Stück einfach bewegen muss, auch wenn so mancher Fan sich lieber „Over the Hills and Far Away“ aus dem Nightwish-Repertoire gewünscht hätte. Nach dem Main-Set verschwand Tarja hinter der Bühne, kehrte aber nach frenetischen „Zugabe“-Rufen schnell wieder zurück. Nach den Zugaben bedankte sie sich von ganzem Herzen beim Publikum für einen tollen Konzertabend und erzählte, dass es sie immer noch berührt, wie positiv die Fans auf sie und ihre Performance reagieren. Man merkte Tarja an, dass sie trotz der vielen Jahre Bühnenerfahrung nicht einfach nur ein Programm abspult, sondern dass jeder Auftritt für sie eine besondere Erfahrung ist.

Sie bedankte sich also für einen tollen Konzertabend – diese Worte konnte das Publikum ihr zurückgeben, denn auch die Besucher erlebten einen besonderen Konzertabend an exklusiver Location, die sicher auch einen nicht unwesentlichen Teil zu der besonderen Atmosphäre beigetragen hat. Auf dem Wave Gotik Treffen zu Pfingsten in Leipzig wird sie in einer atmosphärisch kalten und unpersönlichen Messehalle auftreten und auch wenn der Auftritt als solches sicher gut wird, kann dort nicht eine solche Atmosphäre erzeugt werden wie z.B. im Theater am Aegi. Bleibt zu hoffen, dass sie mit ihrem nächsten Album wieder eine Tour durch die stilvollen Event-Locations macht und ins hannoversche Theater am Aegi zurückkehrt. Bis dahin bleibt den hiesigen Fans aber immer noch die Erinnerung an einen einzigartigen Konzertabend mit einer sympathischen Tarja.

Text & Fotos: Steve Palaser

Weiterführende Links:

Tarja Turunen

Theater am Aegi

The Name
Wave Gotik Treffen

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