Unseliges Unwetter unterbricht unterhaltsames Unheilig-Konzert

29. Juli 2012
By Steve Palaser

Unheilig (Archiv-Foto)

Es sollte ein langer und abwechslungsreicher Konzertabend mit dem Senkrechtstarter der deutschsprachigen Musikszene werden, jedoch konnte auch das stets positive Charisma des Grafen von Unheilig nicht das Wetter beeinflussen.

Bereits auf dem Weg zur EXPO-Plaza beäugten die unzähligen Unheilig-Fans mit skeptischem Blick den bewölkten Himmel, an dem in der Ferne bereits eine dunkle Wolkenfront zu sehen war, die zwar langsam, aber unaufhaltsam näherkam. Staubkind, die erste von zwei hochklassigen Support-Bands des Grafen, hatten noch Glück. Die Berliner Deutsch-Rocker um Sänger und Kreativkopf Louis Manke spielte ein abwechslungsreiches Set mit Stücken aus den vergangenen drei Alben, wobei der aktuelle selbstbetitelte Longplayer „Staubkind“ natürlich mit den meisten Stücken vertreten war. Bei den eingängigen schnellen Stücken sowie bei den eingestreuten langsameren Songs und Balladen sprang der Funke bei vielen den rund 15.000 Fans auf der EXPO-Plaza schnell über und viele Musikinteressierte, denen der Name Staubkind zu Beginn noch nichts sagte, zeigten sich von der Musik der Band angetan, was neben der Musik auch an den emotionalen tiefgehenden deutschen Texten lag. Nach einem gefühlt viel zu kurzem Set verabschiedete sich Louis vom Publikum und wünschte den Fans mit Blick auf den immer dunkler werdenden Himmel, trocken zu bleiben. Wer einen Headliner-Auftritt von Staubkind in Hannover sehen möchte, kann sich freuen, denn die Band wird am 23. November im Ballsaal der Finsternis auftreten. (Update September 2012: Da der Ballsaal inzwischen geschlossen ist, wurde das Konzert ins Musikzentrum verlegt!)

Staubkind auf dem Castle Rock 2008

Nach dem Staubkind-Auftritt begannen die wetterbedingten Änderungen des Abends. Sänger und Songwriter Andreas Bourani, der 2011 mit dem Song „Eisberg“ bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest für Bayern antrat, und an diesem Abend den zweiten Support vor Unheilig machen sollte, verzichtete kurzfristig auf seinen Auftritt, damit die Fans wenigstens die Chance hatten, Unheilig noch im Trockenen zu sehen, denn zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass das Unwetter nicht vorüberziehen würde und schlimmstenfalls sogar ein Konzertabbruch drohen könnte, denn technisches Equipment/Strom und Wasser sind keine gute Kombination für ein Open Air Konzert. Das Risiko eines Unfalls ist viel zu groß. Also wurde nach Staubkind direkt für Unheilig umgebaut und nach etwas längerer Umbauzeit erschien dann auch die Band und der Graf auf der Bühne.

Gut gelaunt wie immer präsentierte er seine Hits vom aktuellen Album „Lichter der Stadt“ und Klassiker wie „Freiheit“ und seinen Durchbruch „Geboren um zu Leben“. Doch nach nur wenigen Songs fielen die ersten Tropfen. Schnell wurde daraus ein Regenguss erster Kajüte. Die Veranstalter waren aber flexibel und sorgten dafür, dass die benachbarte TUI-Arena ihre Türen öffnete, so dass die Fans sich dort unterstellen konnten, was viele auch nutzten, so dass die skurrile Situation entstand, dass ein Großteil der Fans einen Teil des Auftritts des Grafen nur in der TUI-Arena mitbekamen, wo man ihn allenfalls hören konnte. Nur die abgehärteten Fans hielten bei den sintflutartigen Regenfällen draußen durch. Nach einigen Minuten des Unwetters trat jedoch der befürchtete Fall ein, dass die Band nach Anweisung der Feuerwehr aus Sicherheitsgründen die Bühne verlassen und das Konzert unterbrechen musste.

Lange Zeit war nicht klar, ob es sich um einen permanenten Konzertabbruch handeln oder ob es nur eine Unterbrechung bleiben würde. Doch der Regen ließ nach und nach rund 20 Minuten betrat der Graf mitsamt Band wieder die Bühne, um das Konzert ordnungsgemäß zu beenden. Jedoch wirkte es so, als würde die Band das Restprogramm im Schnelldurchlauf abspielen, es ging Schlag auf Schlag und die Zugabe wurde auch nahtlos angefügt. Nichtsdestotrotz hatten die durchnässten Unheilig-Fans ihren Spaß und zeigten dieselbe positive Einstellung wie der Graf, indem sie das Beste aus der unglücklichen Situation machten.

Letztlich wurde das, was bei optimalen Wetterbedingungen ein großartiger Konzertabend mit drei hochkarätigen Bands geworden wäre, zu einem trotz der Umstände gelungener Abend, der den Fans sicher lange in Erinnerung bleiben dürfte und es ist sowohl den Veranstaltern als auch den Bands hoch anzurechnen, dass sie alles taten, um den Fans einen guten Konzertabend zu ermöglichen, anstatt einfach abzubrechen. Vor allem Bouranis Entscheidung, zugunsten der Unheilig-Fans auf seinen Auftritt zu verzichten, verdient noch einmal besondere Erwähnung. Auch der Graf wies noch einmal darauf hin, als Bourani zu einem Duett mit ihm auf die Bühne kam. Bleibt zu hoffen, dass der nächste Besuch des Grafen in Hannover unter besserem Wetterbedingungen stattfinden wird.

Text & Fotos: Steve Palaser

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