Victoria – Männer & andere Missgeschicke

9. Oktober 2017
By Holger Nickel

Dramödie

Frankreichs Darling Virginie Efira („Birnenkuchen mit Lavendel“) spielt in diesem temporeichen Porträt eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs. Die unkonventionelle Rom-Com „Victoria – Männer & andere Missgeschicke“ von Regisseurin Justine Triet eröffnete in Cannes die Semaine de la Critique und avancierte in Frankreich zum Überraschungshit. Ein typisch französischer Film, der mit den Geschlechterrollen spielt, eine starke und ebenso zerbrechliche Protagonistin zeigt und gleichzeitig einen spannenden Fall aufarbeitet. Eine charmant, sexuell aufgeladene Komödie, die uns vor Augen führt, wie schmal der Grat ist zwischen Anwältin und Klient und Klägerin. Eine liebenswerte Komödie mit Tiefsinnigkeit. Verliert gegen Ende ein wenig an Intensität, ist aber weiterhin eine spannende Beobachtung menschlicher Interaktivität.

Inhalt

Victoria (Virginie Efira) ist Anwältin in Paris, alleinerziehend mit zwei Töchtern, sympathisch-neurotisch und ein Magnet für Katastrophen aller Art. Als sie bei einer Hochzeit erst auf ihren alten Freund Vincent (Melvil Poupaud) und dann auf einen Ex-Klienten, den zerstreuten Lebenskünstler Sam (Vincent Lacoste), trifft, nimmt ihr ohnehin chaotisches Leben sowohl beruflich als auch emotional noch weiter Fahrt auf. Denn tags darauf steht Vincent unter Anklage – einziger Entlastungszeuge ein Dalmatiner – und der wohnungslose Sam landet als Au-Pair-Boy bei ihr, natürlich nicht ohne romantische Hintergedanken. Victoria ist promiskuitiv, sie mag Sex, gerne auch mit beruflichen Kollegen, sogar Richtern. Das hilft ihr beruflich nicht unbedingt weiter, es bringt sie höchstens in Verruf, vor allem, weil sie einen Freund verteidigen muss. Die private Geschichte von Victoria geht weiter, ihr berufliche-privates Drama nimmt weitere Formen an. Ihr neuer Mitbewohner wird zur wichtigen Figur, doch die Geschichte wird immer dramatischer. Victoria muss die Realität neu erlernen, muss erkennen, dass sie bislang falsche Prioritäten gesetzt hat. Bis es eine Entscheidung gibt, muss bei Victoria das Schlimmste befürchtet werden, das allerdings fast ohne Hintergrund.

Kritik

Sehr unterschiedlich zu bewerten. Die erste Hälfte ist großartig, das zweite Drittel gut, am Ende bekommen wir einen Eindruck, wie schwierig es ist, ein Leben als Mutter und Anwältin zu führen. Die unkonventionelle Spielart der Protagonistin ist es, was den Film letztlich rettet. Ansonsten scheint der Fall sie aufzufressen, zu persönlich, zu kompliziert. Was wird das? Welche Konsequenz wird gezogen?

Das Bonusmaterial besteht aus dem Making of, entfernten Szenen, Outtakes sowie dem Trailer und Filmtipps.

Victoria – Männer & andere Missgeschicke: F 2016; Regie: Justine Triet; Darsteller: Virginie Efira, Vincent Lacoste, Melvil Poupaud, Laurent Poitrenaux, Laure Calamy; FSK: ab 12 Jahren; Dauer: 92 Minuten; Sprachen: Deutsch 5.1, Französisch 5.1; Untertitel: Deutsch; Bild: 2,35:1 (16:9 anamorph widescreen); Vertrieb: ©Alamode Film / Alive. Veröffentlichung Verkauf: 29. September 2017.

Bewertung: 8,1/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 2/4  - Anspruch: 3/4

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