Depressionen sorgen für Krankheitstage

8. März 2015
By Holger Nickel

Arbeit

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in Deutschland. In Niedersachsen war statistisch gesehen jede Erwerbsperson in 2013 durchschnittlich 0,96 Tage – also etwas weniger als einen Tag – mit dieser Diagnose krankgeschrieben. Stadt und Region Hannover liegen mit 1,03 Tagen zwar knapp über dem niedersächsischen Landesdurchschnitt aber unter dem Bundesschnitt von 1,04 Tagen. Auffallend sind die erheblichen regionalen Unterschiede: Während die Cloppenburger durchschnittlich nur 0,61 Tage arbeitsunfähig waren, lag die Quote in Lüchow-Dannenberg mit 2,36 Tagen mehr als dreimal so hoch. Dies teilte die Techniker Krankenkasse (TK) in Niedersachsen heute auf Basis ihres aktuellen Depressionsatlas mit.

Anders als bei anderen Diagnosen wie Erkältungen oder Rückenleiden sind bei den Depressionen zwar deutlich weniger Menschen betroffen; nur 1,52 Prozent bekamen niedersachsenweit eine solche Krankschreibung. Aber die, die es trifft, fallen sehr lange aus, im Bundesdurchschnitt 64 Tage. Das heißt, es ist eine langwierige Erkrankung für den Patienten, verbunden mit hohen Ausfallzeiten für die Betriebe.

“Betriebswirtschaftlich gesehen bedeutet das beispielsweise für ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern, dass bei einer Quote von 1,52 Prozent durchschnittlich vier Beschäftigte gut zwei Monate im Jahr fehlen. Berücksichtigt man noch den Urlaubsanspruch, bleibt also mindestens ein Arbeitsplatz aufgrund von Depressionen unbesetzt”, erklärt Inken Holldorf, Leiterin der TK-Landesvertretung in Niedersachsen.

In Niedersachsen waren rund 6.200 Personen (1,52 Prozent) der rund 405.000 TK-versicherten Erwerbspersonen wegen einer Depression in 2013 krankgeschrieben. Laut TK bilden die Fehlzeiten jedoch nur zum Teil die Depressionsthematik ab. “Nicht jeder, der eine Depression hat, wird krankgeschrieben”, so Inken Holldorf. “Deshalb haben wir zusätzlich die Antidepressiva-Verordnungen untersucht”. Dabei zeigt sich, dass auch Regionen mit unterdurchschnittlichen depressionsbedingten Fehlzeiten relativ hohe Verordnungsraten aufweisen. Wie zum Beispiel in Cloppenburg. Dort gab es eine unterdurchschnittliche Fehlzeit von 0,61 Prozent, die Antidepressivaverordnungen aber lagen mit 5,75 Prozent sogar über dem niedersächsischen Durchschnitt von 5,71 Prozent. In Hannover und der Region bekamen 5,76 Prozent der Erwerbspersonen Antidepressiva verschrieben; damit liegen sie knapp über dem Landesschnitt, aber unter dem Bundesdurchschnitt von 5,97 Prozent.

Die meisten Fehlzeiten gibt es bei Beschäftigten in Call-Centern sowie in der Altenpflege, in Erziehungs- und Sicherheitsberufen. Der TK-Depressionsatlas zeigt, dass bestimmte Berufsgruppen – vorrangig im gesundheitlichen und sozialen Bereich – deutlich stärker von Depressionen betroffen sind als eher technisch und akademisch orientierte Berufe.

Hintergrund:

Die TK hat für ihren Depressionsatlas die Krankenstandsdaten der bei ihr versicherten 4,11 Millionen Erwerbspersonen analysiert. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie Arbeitslosengeld-I-Empfänger. Für Niedersachsen wurden die Daten von rund 405.000 TK-versicherten Erwerbspersonen ausgewertet. Quelle und Foto: Techniker Krankenkasse.

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