Ulf Torreck – Fest der Finsternis

2. Mai 2017
By Holger Nickel

Historischer Thriller

Lange hat es gedauert, bis ich mich an das historische Werk „Fest der Finsternis“ herangewagt habe. Immer wieder wurde ein anderes Buch vorgezogen, bis nun endlich, bald drei Monate nach der Veröffentlichung, auf Maschseeperlen.de die Rezension zu Ulf Torrecks zweitem Buch erscheint. Das erste Werk „Vor der Finsternis“ ist nur als E-Book erschienen, war aber offensichtlich so erfolgreich, dass der Heyne Verlag sich „Fest der Finsternis“ angenommen hat und das historische Mammutwerk mit 670 Seiten veröffentlichte. Selbst der Marquis de Sade spielt hier eine wichtige Rolle, im Paris des Jahres 1805. Es gilt zunächst eine Mordserie an jungen Frauen aufzuklären. Ritualmorde womöglich, denn die Frauen haben alle gerade erst ein Kind geboren. Torreck gibt uns einen tiefen und intensiven Einblick in ein Paris der Politik, der Freudenhäuser, der Medizin und des Geldverdienens. Dabei lässt er kaum etwas aus, ob es das Leben der Adligen ist, das der „Zigeuner“ oder der Herrin der Nacht.

Inhalt

Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Er ist inzwischen so mächtig, dass er bei Napoleon Bonaparte als wichtige Person gilt. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Würden die Morde richtig veröffentlicht, ein Aufruhr wäre die geringste Sorge der Polizei und Würdenträger. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall, nachdem Fouché ihn aus dem Exil in Brest nach Paris zurückbeorderte. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen, als er die Liechen sieht und was in ihnen ist, oder abgetrennte Köpfe findet. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe. Der Marquis de Sade betritt die Bühne, im Alter von 63 Jahren, aber kein bisschen leise oder gar sexuell zurückhaltend. Je engagierter die beiden Männer nachforschen, desto tiefer wird der Sumpf, den sie nur zu gut kennen, aber die Ausmaße nicht immer verstehen. Huren, Okkult, Geld verdienen jeder Art, Anatomie und Medizin, oder auch nur politische Ränkespiele. Ruhig wird es in Paris nie. Frauen sind immer schon der Untergang der Männer gewesen…

Kritik

Ein insgesamt wirklich guter historischer Unterhaltungsroman. Belletristik im besten Sinne. Mit guten Charakteren, einer Unzahl an Personen, der alle notwendig für die ausufernde Geschichte sind. Spannung auf allen Ebenen. Silhouette und ihre Mutter begeistern, überhaupt werden die Damen der Nacht verherrlicht, anders als heutzutage. Der Schilderung dieses Personenkreises gebührt das größte Lob. Und doch: Irgendetwas fehlt um den Roman zu einem sehr guten Werk zu machen. Schwierig zu beschreiben, denn auch die Interaktion der beiden Protagonisten stimmt, selbst ein farbiger Mörder im Auftrag des Staates ist dabei, der früher Sklave war. Vielleicht ist das alles ein wenig zu viel des Guten. Zumal die Auflösung ein wenig ernüchternd ausfällt, aber ein Marquis de Sade würde nicht ohne einen Knalleffekt abtreten.

Ulf Torreck, geboren 1972 in Leipzig, arbeitete bereits früh als Rausschmeißer und Barmann, später als Journalist und Filmkritiker. Nach längeren Aufenthalten in Südostasien, Frankreich, Irland und Großbritannien begann er, Novellen und Romane zu schreiben. Für seinen historischen Thriller »Das Fest der Finsternis« recherchierte Torreck mehrere Jahre lang und befasste sich intensiv mit den dunklen Seiten des Menschen. „Fest der Finsternis“ hat 669 Seiten und ist am 13. Februar im Heyne Verlag erschienen.

Bewertung: 8,1/10 Punkten

Spannung: 3/4 – Action: 2/4 – Humor: 2/4 – Erotik: 2/4 – Anspruch: 2/4

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